Vatertag und Budget: Vergesst nicht auf die Männer
Es ist einer der wenigen Schwerpunkte des Sparbudgets: Die frauenpolitischen Ausgaben werden erhöht. Vereine und NGOs bekommen also mehr Geld. Polemische Frage: Ist das wirklich nötig? Und wo bleibt der Mann? Wer Gleichstellung ernst nimmt, muss ja auch die Herren „mitnehmen“, um ihnen zu erzählen, warum das am Ende für alle von Vorteil ist. Der heutige Vatertag (übrigens 1910 in den USA von einer Frau eingeführt) ist ein guter Anlass, um daran zu erinnern, dass wir noch mehr männliche Vorbilder brauchen, die der Partnerin nicht nur berufliche Erfolge gönnen, sondern sie dabei auch nach Kräften unterstützen, die ein Kind wickeln, zum Elternsprechtag gehen, den Müll raustragen und den Wocheneinkauf erledigen. Natürlich ist das keine Einbahnstraße. Dazu gehören nämlich Frauen, die auch einmal die Rechnung im Gasthaus begleichen, den Elektriker organisieren und auch sonst ihren „Mann stehen“ können.
Die gute Nachricht: Es ist innerhalb weniger Generationen schon viel besser geworden. „Halbe-Halbe“ ist zwar noch nicht erreicht, aber viele Männer übernehmen Verantwortung. Und jetzt die schlechten Nachrichten: Viele Mädchen wollen sich den anstrengenden Spagat ihrer Mütter nicht mehr antun, spielen lieber „Prinzessin“ und sind auf der Suche nach einem „Versorger“. Plus: Dank Migration samt Heiratsnachzug verbreitet sich gerade wieder ein besonders rückständiges Frauenbild.
Während ein Teil der Gesellschaft voller Inbrunst „Queerness“ demonstriert, müssen wir schon wieder erklären, dass Zwangsverheiratung 14-Jähriger hier keinen Platz hat, Mädchen sich nicht wie Nonnen verhüllen müssen und Homosexualität nicht diskriminiert werden darf.
Man sollte auch nicht die Verunsicherung der Burschen (ob zugewandert oder nicht) über ein brüchig gewordenes Männerbild übersehen, während alle Welt nur über Frauen-„Ermutigung“ spricht. Dürfen oder müssen Männer eigentlich noch immer „ritterlich“ sein? Wie viel Stärke müssen und wie viel Schwäche dürfen sie zeigen? Hängt es allein von ihnen ab, eine Familie finanziell über die Runden zu bringen? Abgesehen davon: Schauen wir genug darauf, dass sich junge Männer nicht martialische „Shooting Stars“ als Vorbilder im Internet suchen?
Besonders die Buben brauchen beim Aufwachsen anwesende Väter und coole Lehrer, an denen sie sich positiv orientieren, aber auch reiben können. Daher: Ein Dankeschön an die Väter (ja, da sind und waren auch „alte weiße Männer“ dabei), die sich vor Familienarbeit und -liebe nicht drücken – auch wenn das in den kommenden Wochen fußballbedingt vielleicht eine Herausforderung sein könnte. Der Lohn? Das Geschenk einer lebenslangen, guten Verbindung zu den Kindern und Enkeln.
KURIER-Herausgeberin Martina Salomon
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