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Standort Österreich: Verlorene Stärke, neue Chancen

Österreich kämpft um seine Wettbewerbsfähigkeit. Die Probleme wurden von der Politik spät, aber doch erkannt. Jetzt ist deren rasche Lösung gefragt.
Robert Kleedorfer
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Das Bemühen kann man der Bundesregierung nicht absprechen. Sie hat erkannt, dass der Standort Österreich in den vergangenen Jahren stark an Kraft verloren hat. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer versucht, mit der „Industriestrategie Österreich 2035“ gegenzulenken. Nach einem halben Jahr sei bereits rund ein Drittel der geplanten Maßnahmen in Umsetzung. Das ist eh gut und schön. 

Bloß wartet die Welt nicht auf das kleine Österreich, bis alle Maßnahmen auf Schiene sind und ihre volle Wirkung entfalten. Es werden wohl die Unternehmen und ihre Mitarbeiter selbst ein weiteres Mal mit kreativer Kraft sich durchbeißen müssen.

Im internationalen Wettbewerbsranking jedenfalls verschlechterte sich das Land in den vergangenen zehn Jahren von Rang 16 auf 26. In den morgen, Donnerstag, verkündeten neuesten Zahlen dürfte es kaum Verbesserung geben. Unternehmer beklagen sich in diversen Studien neben zu viel Bürokratie und Problemen am Arbeitsmarkt vor allem über zu hohe Steuern.

Gerade bei diesem Punkt wird Besserung aufgrund leerer Staatskassen weiterhin ausbleiben. Laut Fiskalrat werden die Defizitziele länger als von der Regierung angepeilt verfehlt werden, auch die Staatsschuldenquote wird weiter zulegen. Und daher zahlt sich die Unternehmerschaft die beschlossene und in der Sache richtige Entlastung bei den Lohnnebenkosten de facto selbst, indem die Körperschaftssteuer für viele Betriebe angehoben wird.

Bei den Lohnstückkosten ging es in Österreich in den vergangenen Jahren überproportional nach oben, nicht zuletzt auch als Folge der hohen Inflation und der damit verbundenen ansprechenden Gehaltsabschlüsse. Hier zumindest scheinen alle Beteiligten den Ernst der Lage erkannt zu haben und sich auf maßvolle Erhöhungen zu einigen. Denn schon jetzt liegt die Preissteigerungsrate in Österreich spürbar über dem Durchschnitt der Euroländer. Immerhin, mit Ende des Iran-Krieges könnte es zu einer Entspannung kommen.

Vernünftig ist auch Hattmannsdorfers Ansage, „mit Klimapolitik um jeden Strompreis“ schlusszumachen. Denn günstige Energie ist ein wesentlicher Baustein für Wettbewerbsfähigkeit. Nicht nur in Österreich, sondern in der gesamten EU hat man in den vergangenen Jahren die Wirtschaft zu stark hinsichtlich grüner Ideologie gegängelt. Wenn Unternehmen abwandern und Arbeitsplätze verloren gehen, hat niemand etwas davon. Maßvolle Gesetze und Technologieoffenheit sind die Gebote der Stunde. Das hat endlich auch die EU-Kommission erkannt.

Österreich hat vieles selbst in der Hand, um den Turnaround zu schaffen. Die konsequente Umsetzung der Vorhaben steht nun an und muss gelingen.

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