Hitzewelle macht keinen Sommer wie damals
Natürlich darf der Sommer heiß sein, das war er immer schon. Doch was sich nun verlässlich von Juni bis August abspielt, hat mit romantischer Sommerfrische nichts mehr zu tun. Es sind Hitzewellen, die unsere Infrastruktur, unsere Gesundheit und unser Zusammenleben vor erhebliche Probleme stellen – und die die Fehler der Vergangenheit gnadenlos aufzeigen.
Einen ersten historischen Höhepunkt wird uns das kommende Wochenende bescheren: Geosphere Austria hat die höchste Warnstufe ausgerufen. Temperaturen jenseits der 40-Grad-Marke drohen, der Allzeitrekord von 40,5 Grad aus dem Jahr 2013 könnte übertroffen werden. Nur ist das kein singuläres Wetterpech, sondern der Trend.
Die Klimapolitik kennt nur zwei Hebel: Emissionsminderung und Anpassung. Da wir global bei Ersterem versagen, wird Letzteres zur mittelfristigen Überlebensfrage. Doch in Österreich stehen wir sogar architektonisch noch immer im sprichwörtlichen Hemd da. Unser Gebäudebestand, der im Winter die Wärme nicht drinnen hält, lässt sie im Sommer nicht mehr raus. Wir müssten also sanieren, was das Zeug hält. Doch die jährliche Sanierungsquote dümpelt bei unter einem Prozent herum – nötig wären mindestens drei. Urbane Wohnungen werden ohne Kühlung schleichend unbewohnbar. Während Privilegierte aufrüsten, harren die sozial Schwächsten in schlecht isolierten Betonöfen aus. Das zeigt sich nun sogar bei Schulgebäuden. Und jeder Mieter, der eine Klimaanlage installieren oder ein fossiles Heizsystem tauschen will, verfängt sich im Dickicht eines völlig veralteten Miet- und Eigentumsrechts – Zuständigkeit: Bundesminister Andreas Babler, nur zur Erinnerung, an ihn.
Uns muss leider auch bewusst werden, dass das, was Österreich gerade erlebt, im globalen Maßstab nur Mittelmaß ist. In Teilen Pakistans und Indiens, oder in Westafrika werden Temperaturen samt hoher Luftfeuchtigkeit prognostiziert, bei denen der menschliche Körper sich selbst durch Schwitzen nicht mehr kühlen kann – die lebensbedrohliche Wet-Bulb-Grenze. Was noch die Ausnahme ist, wird bis Mitte des Jahrhunderts für Hunderte Millionen zum Alltag. Vielleicht steigt auch bei uns langsam das Mitgefühl für die Ärmsten der Erde, die die Klimakrise nicht verursacht haben ,aber am heftigsten darunter leiden.
Am Ende zeigt uns dieses bevorstehende Rekordwochenende vor allem eines: Wir stecken mitten in der Quittung für Jahrzehnte des Wegschauens. Jedes Zehntelgrad mehr auf dem Thermometer ist ein Auftrag. Wenn wir jetzt nicht radikal umsteuern – beim Klimaschutz weltweit wie bei der Anpassung vor der eigenen Haustür –, dann wird dieser extrem heiße Sommer nur selige Erinnerungen an kühlere Zeiten auslösen.
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