Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Hitze als Bedrohung: Wir müssen jetzt dringend investieren

Die Hitze ist keine abstrakte Bedrohung mehr, sondern schlägt direkt in die Wirtschaft durch. Es geht darum, sommerfest zu werden.
Sandra Baierl
Handgeschriebenes Schild im Schaufenster: Heute wegen Hitze geschlossen, mit Sonnensymbol.

Im Sommer ist es für vieles zu heiß, im Sommer gibt es ein neues „Sommerloch“. Nicht, weil zu viele Menschen auf Urlaub sind, sondern weil die Hitze die Wirtschaftsleistung reduziert.

Dass der Klimawandel eine Herausforderung fürs Geschäft ist, haben Firmenlenker und Unternehmerinnen längst erkannt. Neu ist, dass die Erderwärmung, die heißeren Temperaturen, die Extremwetter-Phänomene und deren direkte Auswirkungen kein abstraktes Risiko mehr sind. Sie können auch nicht mehr in die ferne Zukunft verbucht oder in einer Nachhaltigkeitsabteilung (CSR) zwischengelagert werden. Sie sind spürbar, sichtbar und vor allem jetzt – da. Die Hitzewellen sind kein reines Umweltphänomen mehr, sondern eine reale Größe, die auf die Produktivität drückt. Nicht einmal die Schwimmbäder werden bei Extremhitze überlaufen.

Zahlen aus Deutschland zeigen es. Laut dortigem Arbeitsministerium kostet ein einzelner Hitzetag mit mehr als 30 Grad Celsius die Volkswirtschaft 431 Millionen Euro. Das Hauptproblem dabei ist der schleichende Verschleiß im Alltag: Ab 30 Grad sinkt die menschliche Leistungsfähigkeit kontinuierlich und mit jedem weiteren Grad um mindestens drei Prozent – macht zumindest satte 30 Prozent weniger Leistung bei 40 Grad Celsius. Wenn Lieferketten wegen Niedrigwassers unzuverlässig werden, Bahnschienen sich verbiegen, Baustoffe unbrauchbar werden, auf Baustellen nicht mehr gearbeitet werden kann, die Landwirtschaft unter Ernteeinbußen leidet, Gärtnereien exorbitanten Wasserverbrauch haben, man in Gastgärten nicht mehr sitzen kann, die Pflegedienste Alarm schlagen und Krankenstände im Hitzesommer nach oben gehen, betrifft das die Kernbilanz der Unternehmen.

Und zeigt: Hitzeresilienz ist kein schnödes Nachhaltigkeits-Extra, sondern eine ökonomische Vorsorge, um in Zukunft produktiv arbeiten zu können. Wir müssen dringend und jetzt investieren – in Kühlung, Beschattung, begrünte und hitzeresistente Infrastruktur. Wir müssen Gebäude adaptieren und Städte besser bauen, sollten auch über flexiblere Arbeitszeitmodelle nachdenken. Wenn es zwischen 11 und 16 Uhr zu heiß ist, um draußen arbeiten zu können, sind Früh- und Abendstunden in manchen Branchen die bessere Dienstzeit.

Letztlich geht es vor allem darum, dass Staat und Wirtschaft beim Thema Hitzeresilienz vom reinen Akut- und Krisenmanagement in einen proaktiven Umbau übergehen, um die Auswirkungen in Zukunft abzufedern. Die bittere Erkenntnis ist: So wie bisher Infrastruktur, Prozesse und Firmenstrategien winterfest und frostsicher aufgesetzt werden mussten, müssen sie jetzt auch sommerfest werden.

Kommentare