Goldene Zeiten für Anleger und ein großes Versäumnis der Politik
Es klingt fast wie in einem Märchen, zu gut, um wahr zu sein. Wer vor rund einem Jahr Euro in Gold investiert hat, besitzt heute um rund zwei Drittel mehr. In Dollar gerechnet gab es sogar fast eine Verdopplung des Wertes. Erst im Oktober des Vorjahres wurde die 4.000-Dollar-Marke gebrochen und nun sind es rund 1.000 Dollar mehr. Dies ist in erster Linie der Weltpolitik zu verdanken. Denn Gold gilt als DIE Krisenwährung schlechthin. Und an Krisen gibt es derzeit auf der Welt mehr als genug.
Und was ist für Anleger der Haken an dem sprichwörtlichen Goldesel? So gut wie keiner. Der Kauf ist für Privatpersonen von der Mehrwertsteuer befreit und beim Verkauf nach einem Jahr fällt ebenfalls keine Steuer an.
Einziges Manko: Gold zahlt keine Zinsen. Allerdings: Sieht man sich die von Banken bezahlten Sparzinsen an, ist das ziemlich egal. Bestenfalls zwei Prozent (vor Abzug der Kapitalertragssteuer) erhalten Sparer für ein Jahr Bindung. Bei einer Inflationsrate von 3,6 Prozent im Vorjahr ein Verlustgeschäft. Und auch wenn Experten angesichts des aktuellen Hypes Kurseinbrüche von bis zu zehn Prozent für möglich halten, bleibt das Edelmetall ein attraktives Langzeitinvestment.
Selbiges gilt für viele Aktienmärkte. Auch sie konnten im Vorjahr trotz der Irritationen, vor allem ausgelöst von US-Präsident Trump, ihre Gewinne ausbauen und ebenfalls neue Rekorde erzielen. Inzwischen sind sie Trump-erfahren, Zollankündigungen nehmen sie fast schon gelassen hin. Denn Trump knickt meist ohnehin ein, spätestens dann, wenn seine Drohungen die Wall Street auf Talfahrt schicken.
Freilich, bei Aktien droht die Luft dünner zu werden, die Gewinne im Zuge des Hypes um Technologietitel und Künstliche Intelligenz werden nicht ewig anhalten. Aber auch hier gilt: Langfristig schlagen gut gestreute Wertpapier-Investments jedes Sparbuch.
Leider scheuen nach wie vor viele Menschen im Land Aktien wie der Teufel das Weihwasser. Das ist auch ein Ergebnis eines falschen politischen Zugangs. Die Börse wurde viele Jahre bestenfalls nicht beachtet, oft aber politisch verdammt, als Hort des Neokapitalismus. Dabei ist sie auch ein wesentlicher Standortfaktor. Sie stellt Unternehmen Kapital zur Verfügung, das Arbeitsplätze sichert und Wachstum ermöglicht. Und Reformen etwa hinsichtlich besserer Anlagemöglichkeiten durch Stärkung der privaten Altersvorsorge wären angesichts dramatisch hoher Pensionsausgaben dringend geboten.
Doch dieses Thema wurde schon von den vergangenen Regierungen nicht angegangen. Auch von den aktuellen Verantwortlichen ist dahin gehend realistisch betrachtet nichts zu erwarten. Hier stehen populistische Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung im Vordergrund.
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