Analyst: "Donald Trump will der Liebling der Wall Street sein"

Traders work on the floor at the New York Stock Exchange (NYSE) in New York
Die Schoellerbank erwartet weiterhin Schwankungen an den Märkten. Technologiewerte werden im Blickpunkt bleiben.

Das Jahr 2026 hat turbulent begonnen. Nach der US-Intervention in Venezuela sorgte Präsident Donald Trump mit dem Anspruch auf Grönland für Unruhe, auch auf den Finanzmärkten. Geopolitik werde auch heuer ein treibendes Thema sein, sagte Helmut Siegler, Vorstandsvorsitzender der Schoellerbank, bei der Präsentation des Finanzmarktausblicks seines Instituts für 2026.

Die Schoellerbank rechnet auch weiterhin mit Volatilität und Marktschwankungen. Potenzial sieht man sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen. Technologie werde ein wesentlicher Wachstumsfaktor bleiben, sagte Jörg Moshuber, Investmentvorstand der Schöllerbank Invest.

Trump und die Märkte

Dass die Aktienmärkte auf Trumps Eskapade zum Jahresbeginn in Venezuela mit Ausnahme von Öltiteln kaum reagiert haben, erklärt Moshuber damit, dass der Einfluss der Intervention auf Wirtschaftswachstum, Zölle, Inflation oder Geldpolitik zu vernachlässigen sei. Ein direkter Angriff der USA auf Grönland hätte hingegen enorme Folgen gehabt, sagt Moshuber. Europa habe in dem Konflikt durch die Entsendung von Truppen in das Land Stirn gezeigt und den Eindruck eines Zusammenrückens vermittelt.

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Jörg Moshuber, Investmentvorstand der Schöllerbank Invest.

Trump sei kein klassischer Politiker, sondern wolle ein „Dealmaker“ sein. Das habe man bereits in seiner ersten Amtsperiode gesehen. „Er will der Liebling der Wall Street sein“, sagt Moshuber. Der US-Präsident werde viel tun, um die Kapitalmärkte zu stützen. Bei seinem Angriff auf Fed-Chef Jerome Powell habe sich Trump aber vertan. Er wollte niedrigere Zinsen erreichen, habe aber den Vertrauensverlust unterschätzt. Dass sich die Kurse wie der US-Präsident zuletzt vollmundig beim Weltwirtschaftsforum in Davos angekündigt hat, verdoppeln werden, glaubt Moshuber nicht.

In den USA erwartet die Schoellerbank im kommenden Jahr 2,1 Prozent Wachstum im Jahresvergleich. In der Eurozone sollen es laut den Prognosen 1,2 Prozent sein. Bei Zinsen und Inflation sei Stabilität eingetreten, sagte Schoellerbank-Chef Siegler. Mit Ausnahme einer Zinssenkung in den USA, erwartet er wenig Veränderungen.

KI als Top-Thema

Technologie soll jedenfalls auch heuer im Blickpunkt bleiben. Von einer KI-Blase will Investmentexperte Moshuber nichts wissen: „Wenn ich das lese, bekomme ich die Gänsehaut.“ Das Thema müsse differenzierter betrachtet werden. Potenzial sieht er in allen Bereichen der Technologie, von der Infrastruktur über die großen Cloud-Anbieter und Hyperscaler, die Chiphersteller bis hin zu den Anbietern von Sprachmodellen.

In manchen Bereichen gebe es Übertreibungen, in vielen werde KI aber dazu beitragen, dass Unternehmen gut laufen. Vor allem in der Industrie seien Effizienzsteigerungen zu erwarten. Traditionelle Analysen gewinnen aber auch in dem Sektor wieder an Bedeutung.

„KI ist ein absolutes Top-Thema an der Börse“, ergänzt Erich Stadlberger, Leiter des Private Banking bei der Oberbank. „2026 muss aber der Beweis erbracht werden, dass KI zu Produktivitätsschüben in allen Bereichen der Wirtschaft führt.“

Auch werde das Anlagespektrum wieder breiter. Potenzial gebe es etwa bei Versorgern, weil durch KI mehr Energie gebraucht werde. Genannt wurden auch Gesundheit und Konsumgüter. Man könne in jedem Sektor gute Titel finden, sagt Moshuber. „In Europa stehen auch die Banken gut da.“ Das Gewinnwachstum bei Aktien sieht die Schoellerbank sowohl in Europa (12,4 Prozent) als auch in den USA (15,3 Prozent) und den Schwellenländern (17,3 Prozent) im zweistelligen Bereich.

Bei den Anleihen werden inflationsindexierte und Schwellenländer-Papiere positiv beurteilt. Unternehmensanleihen und globale Staatsanleihen stehen auf neutral. Bei Euro-Staatsanleihen mahnt Schoellerbank-Vorstandschef Siegler zur Vorsicht: „Einige Staaten müssen noch ihre Hausaufgaben machen.“

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