Die OPEC ist noch nicht am Ende, aber einen Gewinner gibt es jetzt schon...
Ölförderturm vor dem Logo der OPEC
Schon erstaunlich: Jeder Tweet, den Donald Trump absetzt, sorgt auf den Ölmärkten für größere Aufregung als die wahrlich nicht unerhebliche Ankündigung der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), die OPEC zu verlassen. Die einst allmächtige OPEC, die Organisation erdölexportierender Länder, verliert eines ihrer wichtigsten, wenn auch widerborstigsten Mitglieder – und das quittiert die Weltwirtschaft nur mit einem Schulterzucken?
Nur zur Erinnerung: Die OPEC ist jene Organisation, die der Welt in den 70er-Jahren einen gigantischen Ölschock mitsamt darauf folgender Wirtschaftskrise bescherte.
Der autofreie Tag
Nicht wenige Österreicherinnen und Österreicher werden sich noch an die Autos mit Buchstaben-Pickerl an der Windschutzscheibe erinnern, als es galt, wegen der Benzinknappheit in den Wintermonaten des Jahres 1974 einen autofreien Tag in der Woche einzuhalten.
Nie zuvor hatten die Scheichs am Golf größere Weltmacht als damals, als sie ihre Ölhähne nach Belieben auf- oder zudrehten, sprich als politische Waffe einsetzten. Diese gigantische Waffe wurde den arabischen Ölförderländern daraufhin bald aus der Hand genommen: Andere Staaten bauten ihre eigene Ölförderung massiv aus – siehe die damalige Sowjetunion, siehe die USA, sogar eine mögliche Abkehr von den fossilen Brennstoffen wurde angedacht.
Damals produzierte die OPEC rund die Hälfte des weltweiten Öls, heute ist es – ohne die VAE – nur noch ein Viertel. Entsprechend geschrumpft sind Macht und Bedeutung des einst so gefürchteten Ölkartells. Die OPEC kann den Austritt der VAE verkraften, ihren Zerfall zu prognostizieren, wäre voreilig. Schon zuvor haben Katar, Ecuador oder das ölreiche Angola den von Saudi-Arabien dominierten Ölverband verlassen.
Die Sperre der Straße von Hormus
Verheerend aber wäre es für die OPEC, wenn nun weitere Mitgliedsländer dem Beispiel der Vereinigten Arabischen Emirate folgen sollten – zumal ja offensichtlich wurde, dass es nicht mehr die OPEC ist, die den Ölpreis steuert. Jetzt sind es die Blockade der Straße von Hormus, der Krieg der USA gegen den Iran und nicht die Ölförderquoten der OPEC-Staaten – im Grunde sind es also stets die Aktionen Donald Trumps, auf die die Märkte reagieren.
Selbst der Iran hat der einstigen Öl-Weltmacht OPEC demonstriert: Sperrt Teheran die Straße von Hormus, nützen die schönsten Ölquellen wenig. Diese Schwächung der Marktmacht der OPEC – und nicht so sehr der Austritt ihres Mitgliedes VAE – könnte auf lange Sicht der Todesstoß für das Ölkartell sein.
Wobei es natürlich wiederum einen Gewinner gäbe – und der wäre gewiss nicht der Konsument, der auf einen billigeren Ölpreis hofft. Der Gewinner wäre der größte Produzent von Öl und Gas auf der Welt – die USA.
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