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Es geht um faire Gehälter ...

... bei der ab heute in Europa gültigen Lohntransparenz-Richtlinie – und nicht um Neid oder darum, dass jeder seinen Lohnzettel auf den Tisch legen muss.
Ingrid Steiner-Gashi
Zwei unterschiedlich hohe Münzstapel stehen auf blauem und pinkem Untergrund mit Symbolen für männlich und weiblich als Darstellung des Gender Pay Gap.

Eine Frau und ein Mann machen ungefähr denselben Job, sind in ihrem Arbeitsbereich ähnlich erfahren – und verdienen gleich viel. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit? Schön wär‘s. 

Das ist in den allermeisten Fällen in Österreich nicht üblich, nicht in Deutschland, und nicht einmal in den sonst so fortschrittlichen skandinavischen Ländern steht für Frauen und Männer für vergleichbare Arbeit stets die identische Summe auf dem Lohnzettel. 

Gründe für diesen nicht und nicht verschwindenden „Gender Pay Gap“ gibt es zuhauf: etwa die jahrelange Teilzeitarbeit, die fast immer die berufstätigen Mütter und viel weniger die Väter absolvieren.

Dieser sogenannte unbereinigte Gender Pay Gap liegt in Österreich bei 17,6 % (gemessen am Bruttostundenlohn). Das bedeutet nach den Statistiken des Frauen- und Wissenschaftsministeriums, dass Frauen hierzulande rechnerisch 64 Tage im Jahr unbezahlt arbeiten.

Aber selbst wenn man diese strukturellen Unterschiede herausrechnet, ist sie noch immer da – die Kluft zwischen Frauen- und Männerlohn: zwischen 6 bis knapp über 10 Prozent. Eine „unerklärte Lücke“, heißt es dazu in der Statistik Austria. 

Eine pfusch-psychologische Erklärung, die gerne ins Treffen geführt wird, lautet: Frauen könnten hervorragend, mit Zähnen und Klauen, die Interessen ihrer Kinder, Klientinnen, Kunden, Patienten, Partner, kurz gesagt, die Interessen anderer vertreten – aber viel schlechter ihre eigenen. Wer kennt sie nicht, die Kollegen, die verdienterweise und mit großem Selbstvertrauen um eine Lohnerhöhung ansuchen, während die genauso erfolgreiche Kollegin erst drei Mal hin und her überlegt: Soll ich fragen?

Mehr Aufwand für Unternehmen

Da genüge es doch, die Arbeitnehmerinnen in ihrem Selbstvertrauen zu stärken, meinen die Gegner der seit gestern wirksam gewordenen EU-Entgeldtransparenzrichtlinie. Außerdem: Noch mehr Bürokratie aus Brüssel! Noch mehr Aufwand für die Unternehmen! Dass Letzterer steigen wird, ist nicht von der Hand zu weisen. 

Aber sicher ist auch, dass sich ohne den Druck, im Lohngebaren transparenter zu werden, nichts ändern wird. Dann erhalten Frauen den offenen Blick auf Gehaltsspannen, die zuweilen um bis ein Zehntel über ihrem Einkommen liegen. Es geht nicht darum, den Kollegen etwas zu neiden – wobei laut EU-Regulierung sowieso nie der Einzelne seinen Gehaltszettel auf den Tisch legen muss. Es geht um Gerechtigkeit, um den Ausgleich jahrelanger Benachteiligung.

Diese „unerklärte“ Lohnlücke zu schließen, wird letztlich auf den Druck der Arbeitnehmerinnen zurückfallen, denn dass Unternehmen den Gender Pay Gap gleich freiwillig schließen, wird eher selten der Fall sein. Zumindest aber nun erhalten Frauen das Werkzeug, um selbstbewusst zu fordern, was ihnen zusteht.

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