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Der Kult ums Bargeld

Österreicher zahlen nach wie vor am liebsten mit Scheinen und Münzen, manche Geschäfte akzeptieren keine Karten. Das wirkt aus der Zeit gefallen.
Robert Kleedorfer
Ein Smartphone mit einer HypoVereinsbank-Mastercard-App liegt auf Euroscheinen und Münzen.

Ein kleiner Reisetipp: Wer in den Sommerferien Schweden besucht, egal, ob Stockholm oder das flache Land, muss keine Euro in die Landeswährung Kronen wechseln. De facto jede Bezahlung erfolgt bargeldlos – ob mit Karte, Handy oder Uhr, egal ob in Geschäften, Freizeiteinrichtungen, Lokalen oder öffentlichen Verkehrsmitteln. 

Münzen und Scheine sind für viele Bürgerinnen und Bürger überhaupt nicht mehr präsent, die wenigsten haben noch Bargeld eingesteckt. In gar nicht so wenigen Geschäften wird überhaupt kein Cash mehr akzeptiert. Der Bargeldanteil an Zahlungen liegt in dem Land Umfragen zufolge bei nur noch fünf bis zehn Prozent. Ähnlich die Lage in Großbritannien oder dem Euroland Niederlande.

Ganz anders die Situation in Österreich. Laut Nationalbank erfolgen noch immer 55 Prozent aller Zahlungen abseits des Internets mit Bargeld. Das ist zwar im Vergleich zum Jahr 2022 ein Rückgang um acht Prozentpunkte. Im europaweiten Vergleich aber ist Österreich damit unter den führenden Bargeldländern Europas. Und zahlreiche Geschäfte und Gastronomen unterstützen diesen Umstand – „Cash only“ heißt es dort. 

Besonders widersinnig etwa bei Rechnungen, die 100 Euro aufwärts ausmachen. Dann heißt es, sich auf die Suche nach dem nächsten Bankomaten zu machen, um die frisch gepflückten Scheine postwendend wieder abzugeben. Ein Geldkreislauf, der nur Aufwand und Ärger für die Kunden bedeutet. In manchen Fällen kommt dann gar kein Geschäft zustande. 

Böse Zungen behaupten, die hohe Bargeldquote sei auf den Hang zu Schwarzgeld zurückzuführen, andere sehen den stärker ausgeprägten Datenschutz und den Wunsch nach Anonymität in der Bevölkerung als Hauptgründe. Zudem hielt die Digitalisierung des Zahlungsverkehrs später als anderswo Einzug. 

Die heimische Affinität zum Bargeld treibt manchmal auch skurrile Blüten. So haben ÖVP und FPÖ gefordert, den Schutz des Bargelds in der Verfassung zu verankern. Praxisnäher ist da schon der Umstand, dass die Nationalbank auf eigene Kosten (beziehungsweise der Steuerzahler) 5,5 Millionen Euro lockermacht, um in 120 Bankomat-losen Gemeinden ein solches Gerät aufzustellen. Dabei verfügt Österreich schon jetzt über eines der dichtesten Netze Europas. 

Und was nützt ein Bankomat im Dorf, wenn es dort gar keine Geschäfte mehr zum Ausgeben gibt? Eingekauft werden muss dann erst recht im nächsten Ort, wo es ohnehin einen Bankomaten schon gibt.

Schweden macht nun aufgrund geopolitischer Bedrohungen einen Schritt zurück, gewisse Geschäfte und Einrichtungen werden dazu verpflichtet, Bargeld anzunehmen. Das ist aus Sicht von Konsumenten prinzipiell begrüßenswert, die Wahlfreiheit sollte aber in beide Richtungen gelten. Und man sollte nicht davon ausgehen, bei einem Blackout trotzdem Waren kaufen zu können. Denn in den Supermärkten bleibt es wohl dunkel, und die Kassen funktionieren ohne Strom nicht.

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