über die Retro-Welle
06/14/2015

Zerschlagenes Porzellan

von Simone Hoepke

Einen Retro-Verweigerer erkennt man an seinem entsetzten Gesicht am Flohmarkt.

Mag. Simone Hoepke | über die Retro-Welle

Irgendwann kommt alles wieder. Auch die peinliche Wohnzimmercouch, die in den 1970er-Jahren – in orange-braun und auf dünnen Holzbeinchen – bei Oma und Opa gestanden ist. Sie drängt zurück ins Wohnzimmer – durch die Hintertür sündteurer Designer, die den Stil der 60er-Jahre plötzlich als "klassisch-elegant" anpreisen. Natürlich just, nachdem man die Klassiker endgültig entrümpelt hat.

Solche Retro-Wellen einfach konsequent auszublenden, kann teuer werden. Einen Retro-Verweigerer erkennt man an seinem entsetzten Gesicht am Flohmarkt. Etwa, wenn er mit weit aufgerissenen Augen zuschaut,wie ein Hipster ohne zu murren 90 Euro für eine Zuckerdose der Marke Lilienporzellan zahlt und sich auch noch über das Schnäppchen freut. Grund für das Entsetzen des Retro-Verweigerers sind oft Erinnerungen an Polterabende. Jene, bei denen er "genau so eine Milchkanne in blassrosa" gemeinsam mit dem ganzen achtteiligen Service aus der Verlassenschaft auf den Boden geknallt hat und auch noch froh war, das Tafelgeschirr der 1970er-Jahre endlich los zu sein.

Alles auf den Dachboden zu tragen, ist auch keine Lösung. Weil Trendsetter nicht fad sind, kommt Altes ja meist als Fake in geänderter Version wieder. Die Retro-Digitaluhr von Casio schaut irgendwie doch anders aus als die aus der Jugendzeit und die alte Cordhose sitzt auch nicht mehr. Wer auf der Retro-Welle mitsurft, kann ganz schön viel falsch machen.

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