Ungleichheit
06/14/2014

Schere zwischen Arm und Reich geht auf – oft aber nur in der Statistik

von Martina Salomon

Die Schere zwischen Arm und Reich geht auf – oft aber nur in der Statistik

Dr. Martina Salomon | Ungleichheit

Dieser Tage wird viel über die aufgehende Schere zwischen Arm und Reich geklagt – auch in Österreich. Wunder ist das keines, weil der Aktienmarkt boomt, so lange die Zinsen so niedrig sind. Das Ende des Höhenflugs könnte aber bald erreicht sein. Dann werden Reiche (aber auch Pensionsfonds und Lebensversicherungen) ein bisschen "ärmer", die Schere würde wieder ein Stück zusammengehen. Ist das dann eine gute Nachricht?

Reiche Russen kamen

Und stecken hinter mancher Ungleichheit nicht auch logische Fakten sowie ein paar schmutzige Geheimnisse? Könnte die Schere in den vergangenen Jahren nicht simpel auch deshalb aufgegangen sein, weil am einen Ende des Spektrums reiche Russen und Kasachen ihren Lebensmittelpunkt nach Wien verlegt (und die Immobilienpreise in die Höhe getrieben) haben, während am anderen Ende die viel zitierte "Armutsmigration" stattfand bzw. Familiennachzug aus Regionen wie Ostanatolien?

Ist es eine gute Nachricht, dass aufgrund der Vermögenssteuer-Diskussion nun Ausländer mit Geld offenbar wieder weniger Lust haben, sich in Österreich niederzulassen bzw. mit ihrem Geld lieber in die Schweiz gehen? Österreich wird damit künftig wieder ein Stück "gerechter", oder?

Ein eigenes "Scheren"-Kapitel betrifft die Frauen: Mütter wollen in Österreich länger als anderswo daheim bei ihren Kindern bleiben, das schmälert Gehalt, Aufstiegschancen und Pension. Aber warum gibt man ihnen nicht die Möglichkeit, später länger zu arbeiten?

Irgendwo in der heimischen Realverfassung scheint es einen Paragrafen zu geben, in dem steht, dass Elternarbeit "daheim am Herd" mit kleinen Kindern ganz pfui ist, während es für über Fünfzigjährige ganz hui ist, "daheim am Herd" zu bleiben. Nirgendwo geht man (oft unfreiwillig!) so früh in Pension wie bei uns, was die Einkommen ungleicher werden lässt. Sogar erfreuliche Tendenzen wie die steigende Berufstätigkeit von Frauen sorgen für eine aufgehende Schere: Statistisch steigt die Ungleichheit nämlich, wenn Frauen "nur" Teilzeit arbeiten, statt ganz daheim zu bleiben.

Manch statistisch Armer ist es außerdem in Wirklichkeit gar nicht: Wer in einer (von der Gemeinde oder vom Arbeitgeber) lebenslang zur Verfügung gestellten Wohnung zur Billigmiete lebt und/oder Aussicht auf eine hohe Beamten- oder Funktionärs-Frühpension (vorzugsweise Hacklerpension) ohne Ruhensbestimmungen hat, kann sein Geld ruhig für Kreuzfahrten ausgeben. Beim Captain’s Dinner darf er sich dann über die ungleich verteilten Vermögen mokieren.

Und wenn manche Menschen (meist Männer) bei ihrem Gehalt plus Statussymbolen wie Dienstauto besser verhandeln als andere (meist Frauen, Achtung Schere!), ist dann die Gesellschaft schuld oder nicht auch manchmal das Individuum?

Kein Bock auf Arbeit?

Ketzerische Frage zum Schluss: Ist es nicht gelegentlich zu leicht, von der öffentlichen Hand zu leben bzw. neben den – nicht transparenten – Sozialleistungen schwarz zu arbeiten? Unternehmer berichten dem KURIER immer wieder, dass acht von zehn Arbeitslosen, die ihnen das AMS schickt, gar keinen Job, sondern nur den "Stempel" wollen.

Die Zahl der Mindestsicherungsbezieher in Wien ist auf alarmierende 153.000 angewachsen. Ist daran eine ungerechte Gesellschaft schuld – oder nicht auch ein überfürsorglicher, leistungshemmender Sozialstaat?

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