Salomonisch: Schwache Vorstellung

Martina Salomon © Bild: KURIER- Gruber

Die Unis müssen sich seit ungefähr einem Jahrzehnt selbst verwalten, und viele tun es noch immer nicht gut.

Im Ranking der prestigeträchtigsten Universitäten der Welt findet sich keine heimische unter den ersten 100. Eine Schande. Es wird viel darüber gejammert, dass es an Geld und Zugangsbeschränkungen fehlt. So weit, so richtig.

Aber wie schaut’s eigentlich mit der Eigenverantwortung der Hohen Schulen aus? Immerhin ist das Unibudget seit 2004 immer gestiegen. Wo sind die Millionen versickert? Zum Beispiel in neuer Bürokratie. Die Unis müssen sich seit ungefähr einem Jahrzehnt selbst verwalten, und viele tun es noch immer nicht gut. Viele Fachhochschulen funktionieren da weitaus professioneller.

Bei der Einführung des Universitätsgesetzes war viel davon die Rede, dass Rektoren künftig Geld innerhalb der Unis umschichten, kleine Königreiche auflösen, Fächer zusammenlegen können. Davon ist so gut wie nichts zu sehen.

Häufig herrscht Cliquenwirtschaft. Aber wer wagt es schon, den hohen Herren (und den noch immer seltenen hohen Damen) auf die Zehen zu steigen? Und auch wenn es überlebensnotwendig ist, über den engen österreichischen Tellerrand zu blicken, so verstehen sich etliche Professoren zu häufig als Vortragsreisende und zu selten als Lehrende. Viel zu wenig wird außerdem getan, was herausragende Universitäten auszeichnet: High Potentials – also die besten jungen Uni-Absolventen und die besten Forscher der Welt – anzulocken.

Natürlich liegt das auch an der Politik, die keine Bildungsstrategie vorgegeben, die Unis nicht ausreichend finanziert in die Freiheit entlassen und lieber Geld in prestigeträchtige außeruniversitäre Forschungseinrichtungen gepumpt hat (die natürlich auch wichtig sind).

Die Unis werden überdies mit falschen Entscheidungen geschwächt: Soll die Meduni Wien eine der weltbesten Kliniken mit hoher Spezialisierung sein? Dann kann sie nicht für die Versorgung jeder banalen Krankheit da sein. Wenn die Politik dennoch meint, dass Hunderttausende Patienten in Ambulanzen der Uniklinik (grund-)versorgt werden müssen, dann darf sie nicht gleichzeitig das – eigentlich nicht vorhandene – Geld in ein neues Vorzeigespital stecken, das Krankenhaus Nord.

Fazit: Nicht an allem, was an den Unis falsch läuft, ist die Politik schuld. Aber leider an vielem.

Erstellt am 16.03.2012