Rauchergesetz und Rettungsgasse: Beides Mist!

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Meinung Kommentare Salomonisch
09/14/2012

Gute Nachrede - gutes Geschäft

Salomonisch - die Kolumne von Martina Salomon, stellvertretende KURIER-Chefredakteurin.

von Martina Salomon

Wie schwierig ist es, an das Geld reicher Menschen/reicher Staaten zu kommen? Neuerdings gar nicht mehr so schwer – man muss nur "systemrelevant" sein oder einem guten Zweck dienen.

In ersterem Fall fließt dann zum Beispiel viel Geld der EU. Denn die befürchtet (seit Mittwoch auch mit dem Sanktus des deutschen Bundesverfassungsgerichts) einen Kollateralschaden, würde man einem liederlichen Mitglied der Euro-Familie den Geldhahn abdrehen.

Posthume Spende

Die zweite Möglichkeit funktioniert noch viel einfacher und geräuschloser. Grüne, Tierschutz-, Sozial- und Umwelt-Organisationen schöpfen ihre Gönner für den guten Zweck ab. Nun hat sich eine kommerzielle Dachorganisation über ein Sammelsurium an Vereinen gebildet, denen man seinen Nachlass widmen kann. Das verlockende Angebot: nach dem Tod etwas "Gutes" zu tun. Geniale Marketingidee.

Geld abzuholen gibt es schließlich genug. Denn immer mehr Menschen in westlichen Industriestaaten vermehren zwar fleißig das Bruttosozialprodukt, aber nicht sich selbst. Man könnte sogar sagen: Gerade die Besserverdiener bleiben kinderlos –, weil ihnen die Zeit, der hundertprozentig passende Partner, der Mut fehlt. Oder weil sie das Kinderkriegen so lange hinausgeschoben haben, bis es nicht mehr klappt. Immer häufiger fallen Erbschaften daher an weit entfernte Verwandte oder an den Staat.

Die neue Dachorganisation trägt der Sehnsucht Rechnung, über den Tod hinaus positiv in Erinnerung zu bleiben. Zynisch betrachtet ist es ein moderner Ablasshandel.

Früher hoffte man, sich durch einen Kirchen-Obolus von Sünde freikaufen und eine "Fast Lane" ins Paradies legen zu können. Jetzt, wo man deutlich stärker am Diesseits hängt, möchten viele wenigstens eine gute Nachrede hinterlassen.

Theoretisch könnten von diesem (un)frommen Wunsch auch andere Einrichtungen, zum Beispiel Unis oder Museen, profitieren. Warum gibt es nicht längst ein paar Lehrstühle und Forschungsprojekte, die durch verstorbene Mäzene gesponsert werden?

Aber möglicherweise geht es gar nicht um die Reichen, sondern eher um die vielen Einsamen, die mit einer posthumen Spende für Menschen und Tiere ihrem Leben rückwirkend Sinn geben wollen.

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