über Freund- und Feindbilder
03/08/2014

Freund- und Feindbilder

von Martina Salomon

Gleichgeschaltet denken muss man nur in Diktaturen.

Dr. Martina Salomon | über Freund- und Feindbilder

Was wäre, wenn eine frühere Bundesregierung (oder noch schlimmer: die EU!) die Wiener Stadtpolitik gezwungen hätte, die Infrastruktur zu privatisieren? Hätte man dann nicht weitaus aufgeregter darüber diskutiert, dass Dienstagabend drei von fünf U-Bahn-Linien ausgefallen sind? Hätte man sich nicht auch flugs daran erinnert, dass es kürzlich in Teilen des ersten Bezirks am Abend zu einem zweieinhalbstündigen Stromausfall gekommen ist? Es gilt das alte Vorurteil: Private ziehen Profit raus, ohne die Infrastruktur zu warten. Gut möglich, dass aber auch die öffentliche Hand ihre Aufgaben vernachlässigt und zum Beispiel lieber in "Brot und Spiele" investiert. Oder gar weit überhöhte Gebühren kassiert, um (Früh-)Pensionslasten der städtischen Unternehmen abzudecken.

Und was wäre, wenn Matthias Hartmann nicht Burgtheaterdirektor, sondern ein x-beliebiger Geschäftsführer wäre, dem ein fettes Bilanz-Minus trotz Gegenzeichnung schier entgangen ist und der munter Verwandte mit Aufträgen versorgt hat?

Wie hätte, weiters, das Echo ausgesehen, wenn Demonstranten kürzlich nicht den Auftritt von Thilo Sarrazin, sondern von Günter Wallraff im "linken" Theater "Berliner Ensemble" lautstark verhindert hätten? Sarrazin wollte über sein Buch "Der neue Tugendterror" diskutieren, seine Gegner lieferten damit ungewollt (?) eine Bestätigung für seine umstrittene These. In der deutschen Zeitung Die Welt tobte der zuständige Theaterintendant Claus Peymann anschließend über den "nazihaften Pöbel" und meinte: "Ich glaube, von den Rechten trennt mich Ausreichendes. Ich bin einfach der Meinung, dass man das offene Gespräch suchen muss. Und dass wir uns unseren Gegner auch stellen müssen. Natürlich ist das, was Sarrazin schreibt und sagt, stellenweise wie Gift. In seinem Denken gibt es Dunkelzonen, keine Frage. Aber ich lasse mir doch nicht vorsagen, was Rassismus ist und was nicht." Er hat recht.

Linkskonservativer Mainstream wird in der veröffentlichten Meinung oft kaum hinterfragt, während man Andersdenkenden manchmal sogar das Recht auf Meinungsäußerung nimmt. Das aber gibt ihren Argumenten letztlich noch mehr Gewicht. Eine Demokratie braucht Meinungsvielfalt und sollte auch Spinner aushalten können, solange sie nicht gemeingefährlich sind. Gleichgeschaltet denken muss man nur in Diktaturen.

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