Die Politik ist kein Heldenepos

Selbstinszenierung ist ein wichtiger Teil der Politik.

Politiker werden mehr als Hofnarren denn als Autoritäten wahrgenommen.

Dr. Martina Salomon | über Politik und Inszenierung

Um wie viel schwerer und wie viel leichter zugleich war das vor 500 Jahren: Das führte exemplarisch die Ausstellung in der Wiener Albertina über Kaiser Maximilian vor. Einen Triumphzug, den es nie gab, ließ er malen. Als Chef-Propagandisten engagierte der Habsburger immerhin einen Albrecht Dürer. Maximilian plante auch das Andenken über seinen Tod hinaus akribisch. Als „letzter Ritter“, der in vorderster Schlachtreihe kämpfte und das Reich klug erweiterte, wird er überliefert. Seine Kriege und seine Propaganda wurden damals (wie heute) von den Banken finanziert. Ohne Jakob Fuggers Geld, der auf die Erfolge des Kaisers spekulierte, wäre der Habsburger gescheitert und Österreich Provinz geblieben.

Die Politiker der Neuzeit haben es viel einfacher, ihre Botschaften zu verbreiten, aber schwerer, ein Heldenepos zu erzeugen. Ja, es gibt noch immer Hofberichterstattung und sie wurde in den letzten Jahren besonders reichlich gefördert. (Wie sonst ist zu erklären, dass sich die Krone gegen ihre Jahrzehnte lange Einstellung und gegen die Mehrheit ihrer Leser in eine Anti-Wehrpflicht-Schlacht wirft?)

Die Ritter der Neuzeit sind die Baumgartners, die sich aus der Stratosphäre stürzen, die Usain Bolts, die Rekorde laufen und die Lionel Messis, die Tore herbeizaubern. Politiker hingegen werden mehr als Hofnarren denn als Autoritäten wahrgenommen. Selbst wenn sich einer wie Obama dank einer großartigen (ersten) Kampagne zum Messias hochstilisieren lässt, wird er im Amt von den Mühen der Ebene niedergezwungen. Doch wer es versteht, nach seiner Amtszeit diese in den rosigsten Farben malen zu lassen, hat immerhin gute Aussichten, wenn schon nicht als Ritter, denn als politisches Vorbild in die Geschichtsbücher einzugehen.

In Österreich ist hier die SPÖ geschickter als die ÖVP. Kreisky wurde schon zu Lebzeiten zum Sonnenkönig erklärt, und auch Vranitzky hat schon Denkmal-Status ohne Makel. Die Partei weiß: Der Nachruhm ihrer Kanzler lässt auch etwas Glanz auf die wenig strahlende Gegenwart fallen. Daher halten sie es wie die Habsburger, der keine Kosten scheute, um in die Geschichte einzugehen. Maximilian soll gesagt haben: „Wer in seinem Leben kein Gedächtnis macht, der hat nach seinem Tod kein Gedächtnis, und dieser Mensch wird mit dem Glockenton vergessen.“ Welch kluger Politiker!

Erstellt am 04.01.2013