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15.03.2016

Warnen und täuschen

Die Zunahme an Kontroll-Lampen in den Cockpits moderner Autos ist von den Herstellern gut gemeint, verfehlt aber immer öfter die beabsichtigte Wirkung.

Das führt dazu, dass die relevanten Warnungen nicht mehr ernst genommen werden

Dr. Horst Bauer | über die Reizüberflutung im Auto

Früher war auch in diesem Bereich alles einfacher. Wenn auf dem Armaturenbrett plötzlich eine Lampe aufflammte, die sonst finster war, wusste der Pilot sofort, dass es jetzt ernst wird. Auch ohne die Bedeutung des Warnlichts gleich deuten zu können, war klar, dass irgendetwas Wesentliches am Auto nicht mehr richtig funktionierte und ignorieren keine Option war. Mit dem Einzug der Elektronik in den Autos haben sich nicht nur die Möglichkeiten der Überwachung von Fahrzeugfunktionen erweitert, die Weitergabe all dieser Informationen an den Fahrer ließ auch die Anzeigelandschaft und die möglichen optischen wie akustischen Warnungen im Cockpit wuchern. Was in der realen Anwendung im Alltag mit dem Auto leicht zur Reizüberflutung führt. Und dazu, dass die wirklich relevanten Warnungen nicht mehr ernst genommen werden. Wer etwa ständig von der Warnung aufgeschreckt wird, dass der Reifendruck gefährlich gesunken und unmittelbares Anhalten gefordert sei, nach der manuellen Kontrolle aber feststellt, dass er wieder nur einer Falschmeldung des Sensors aufgesessen ist, nimmt irgendwann auch tatsächlich wichtige Warnungen nicht mehr ernst. Und auch die Erfahrung, dass manche Fehlermeldungen nach dem Neustart des Autos auf wundersame Weise verschwunden sind, trägt nicht dazu dabei, deren allgemeine Glaubwürdigkeit zu erhöhen. Weniger wäre hier also manchmal mehr.