Kritik
11/18/2019

Volbeat-Konzert in Wien: Perfekt, aber kalt und farblos

Sänger Michael Poulsen und seine Band konnten in der Stadthalle nicht überzeugen.

von Brigitte Schokarth

Es ist ein starker Kontrast, mit dem Volbeat ihre Show in der Wiener Stadthalle beginnen: Zuerst ertönt als Intro-Einspielung von der Konserve „Born To Raise Hell“ von Motörhead, dann „Red Right Hand“ von Nick Cave. Das soll wohl die Bandbreite der Einflüsse der dänischen Heavy-Band illustrieren, die Sixties-Rock-´n´-Roll und gelegentlich Country und Blues mit Hard-Rock mischen. Dafür hat Metallicas James Hetfield einst im Gespräch mit Volbeat-Sänger Michael Poulsen den Begriff „Elvis-Metal“ geprägt.


Doch los geht es in der Stadthalle erstmal mit „Leviathan“ und „Lola Montez“, die ein wenig an Green Day erinnern. Was sofort auffällt, ist die Perfektion die Volbeat bieten: Das Zusammenspiel der Vier ist makellos, der Sound glasklar, und bei Poulsen, der auch Gitarre spielt, sitzt über zwei Stunden jeder einzelne Ton, den er ins Mikro powert. Unterfüttert wird das mit unbändiger Spielfreude, macht so – anfangs – großen Spaß.


Bald schon flaut der aber ab. Denn obwohl Poulsen eingängige, oft poppige Melodien schreibt, haben sie doch wenig Wiedererkennungswert. Es klingt, als würden Volbeat permanent aus der Geschichte der Klassiker der Populärmusik zitieren und Metal-Gitarren darunter legen. Es klingt – obwohl sie viele Rhythmuswechsel in die einzelnen Songs eingebaut haben – ein Song wie der nächste. Poulsen versucht, die Monotonie zu unterbrechen, indem er zwischendrin mit der Akustik-Gitarre eine halbe Strophe von „Ring Of Fire“ von Johnny Cash anstimmt und erzählt, wie er seiner kleinen Tochter Songs dieser Country-Legende vorsingt.


Doch dann geht es wieder weiter - im selben Tempo und in der immer gleichen Dynamik wie schon seit einer Stunde. Und auch Poulsen bleibt mit seiner kräftigen, klaren, aber nicht wandlungsfähigen, farblosen Stimme immer auf demselben Spannungs-Niveau. Ein wenig Abwechslung kommt erst gegen Schluss, wenn mit „For Evigt“, „7.24“ und „Last Day Under The Sun“ doch noch ein paar markante Melodien dazukommen. 

Am Ende war das Konzert super professionell, aber in dieser Professionalität trotz aller Spielfreude auch sehr glatt und kalt. So, dass nicht viel hängen bleibt - außer der Frage, wie eine Band, die einen eigenen Genre-Begriff für ihren Stil hat, in ihrem Stil dann doch so wenig eigenen Charakter haben kann.