über Staatskünstler und Staatspolitiker
06/22/2016

Spiegel Vision: Was und wer sind "Staatskünstler"?

Gleiches Unrecht für alle! Ironie hilft hier leider nicht weiter.

| über Staatskünstler und Staatspolitiker

Diese Frage stellt sich notgedrungen, weil der Ausdruck von der FPÖ und ihren Anhängern beharrlich in den Mund genommen wird. Wir erinnern uns: "Van der Bellen hat die Staatskünstler bzw. die Hautevolee für sich, wir die Menschen." An diesem Punkt sei festgehalten, dass Künstler freilich auch Menschen sind.

Welcher Gattung in Gottes Natur sollen sie sonst angehören? Betrachten die zuvor genannten Herren "Staatskünstler" im Umkehrschluss als Unmenschen?

Fragen über Fragen. Einer rigiden Auslegung möglicher Antworten sollte die Intelligenz dieser aufrechten Demokraten im Wege stehen.

Das Gegenteil der "Staatskünstler" wären ja eigentlich "Staatenlose Künstler". Die gibt es auch, gewiss, aber sie dürfen nicht wählen! Genug des polemischen Unfugs, überlegen wir weiter.

Kunst und Kultur wird von der öffentlichen Hand gefördert, Künstler werden durch Minister und Landeshauptleute ausgezeichnet. Somit hängen die Kulturschaffenden am Gängelband der Zweiten Republik.

Jetzt kommen wir der Klärung schon näher! Ja aber, das gilt für Menschen (!) mit anderen Brotberufen doch auch. Wer wird nicht gefördert, selten berücksichtigt, nie ausgezeichnet? Tausende arbeitslose Künstler ohne Erwerbseinkommen. Und, sinngemäß der FPÖ-Diktion, einfache Menschen. Ein Euro für jeden logischen Widerspruch – und das Kulturbudget wäre ordentlich aufgefettet.

Staatspolitiker

Nebstbei: auch Politiker werden vom Staat bezahlt. Eben: "Staatspolitiker". Gleiches Unrecht für alle! Ironie hilft hier leider nicht weiter.

Fühl- und merkbar ist, dass in der Zuschreibung "Staatskünstler" ein despektierlicher Unterton mitschwingt. Das Wort selbst stammt übrigens – historisch betrachtet – weder aus der Polemik-Giftküche des FP-Generalsekretärs Kickl noch aus dem unseligen Fundus der NS-Ära, sondern wahrscheinlich aus Preußen. Eine positive Bedeutung hatte es nie. Wie man es dreht und wendet, man kommt zu keiner auch nur ansatzweise akzeptablen Begriffsklärung.

Die FPÖ decouvriert mit dieser allseits klebrigen Etikettierung Menschenverachtung und sollte (weil sie ja mitregieren will) die Verwendung dieser Wortschöpfung unterlassen. Es wäre ein erster, essenzieller Vorsatz einer freiheitlichen Kulturpolitik, die diesen Namen verdient – und sich nicht a priori selbst ins Abseits stellt.

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