über den Zuzug von Flüchtlingen

Wozu Menschen auf einmal fähig sind

Die einen helfen bis zu Erschöpfung, die anderen lassen ihrem Hass freien Lauf. Der KURIER weiß, wo er hingehört.

von Helmut Brandstätter

09/13/2015, 06:00 AM

Die einen helfen bis zu Erschöpfung, die anderen lassen ihrem Hass freien Lauf.

Dr. Helmut Brandstätter | über den Zuzug von Flüchtlingen

Wie gespalten unsere Gesellschaft im Moment ist, erlebt die KURIER-Redaktion ganz besonders intensiv. Da kommt viel Zustimmung von Organisationen und Menschen, die sich großartig um die Flüchtlinge kümmern, weil wir das Leid dieser Schutzlosen zeigen und von Anfang an geschrieben haben, dass wir helfen müssen. Hasspostings auf kurier.at werden wir weiter löschen, auch wenn deren Autoren gerne "Zensur" rufen, wo wir für Hygiene sorgen. Aber es gibt auch Kritik, weil wir deutlich auf die Folgen des ungebremsten Zustroms aufmerksam machen. Glaubwürdiger Journalismus muss deutlich sagen: Natürlich kostet die Unterbringung, Ernährung und Ausbildung von geschätzt 80.000 zusätzlichen Menschen in diesem Jahr viel Geld. Und natürlich fühlen sich viele Kommunen belastet, wenn sie sich an neue Gesichter und neue Gebräuche gewöhnen müssen. Und es ist einfach notwendig, darauf hinzuweisen, dass auch im nächsten Jahr Flüchtlinge nach Europa streben werden. Die Berichte aus den Flüchtlingslagern des Nahen Ostens zeigen das. Die Unfähigkeit der internationalen Gemeinschaft, dort zu helfen, wird sich nicht in wenigen Wochen in die Einsicht umwandeln, dass die Not in Jordanien, dem Libanon oder der Türkei dringend gelindert werden muss.

Die größte Sorge sollte uns aber machen, wie schnell unsere Ordnung durch den Zuzug von diesen Flüchtlingen durcheinandergekommen ist, und wie dünn die Decke unserer Zivilisation ist. Wer die Bilder gesehen hat,wie ungarische Polizisten halb verhungerten Menschen lässig und zugleich höhnisch Brote zugeworfen haben, fragt sich, wozu diese Männer noch fähig sind. Faymanns Vergleich mit der "dunkelsten Zeit unseres Kontinents" ist freilich auch völlig unpassend.

Krise und Veränderungen: Ganz schön viel

Die Politiker müssen sich klar entscheiden, ob sie diese niedrigen Instinkte ausnützen und weiter Angst verbreiten, oder ob sie realistische Lösungen suchen. Aber selbst bei den Gutwilligen in Österreich und in der EU wird schnell klar, dass sie auf diese Situation nicht vorbereitet waren – schlimm genug, angesichts der vielen Flüchtlingslager – und jetzt oft überfordert sind. Unsere staatliche Ordnung ist darauf aufgebaut, eingeübte Prozesse durchzuspielen. Schon einige Zehntausend Zuwanderer zeigen uns, dass wir für Krisen nicht gerüstet waren.

Wir stehen also jetzt vor großen Herausforderungen: Da kommen Kinder ohne Sprachkenntnisse in ein Schulsystem, das dringend reformiert gehört. Die Zuwanderer müssen Deutsch lernen und brauchen eine Ausbildung. Einige praktizieren ihren Glauben so, dass uns auffällt, dass wir mit unserem nicht mehr so viel anfangen können – noch eine unerwünschte Botschaft. Und wie absurd viele Vorschriften im föderalen Kompetenzdschungel sind, merken wir jetzt auch.

"Wir schaffen das", sagt Angela Merkel. Mit gutem Willen ganz sicher. Der KURIER steht jedenfalls auf der Seite der Gutwilligen, die gleichzeitig Realisten bleiben.

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