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08.02.2017

Wie umgehen mit Präsident Trump?

Aus Washington weht Europa jetzt schärferer Wind entgegen – kein Grund, sich zu Tode zu fürchten.

Die EU wird nicht einknicken, nur weil Trump seine Droh-Tweets in die Welt schickt

Mag. Ingrid Steiner-Gashi | über die richtige Antwort auf Trumps Getöse

Auf Kompromissbereitschaft und Entgegenkommen Washingtons brauchen wir hier, in Europa, vorerst nicht mehr groß zu hoffen. So viel haben zweieinhalb Wochen der Ära-Trump schon gezeigt. Dem "America-First"-Präsidenten geht es um die Durchsetzung seiner Prioritäten – und die lassen für die EU wenig Erbauliches erwarten.

Ginge es etwa nach jenem Mann, den Donald Trump als künftigen US-Botschafter zur EU nach Brüssel schicken will, würde die Europäische Union zerfallen – und er würde, wie er sagt, "gerne dabei zusehen". Die EU, das ist im Weltbild des neuen US-Präsidenten nur so eine Art Deutschland mit ein paar Ländern drumherum – und dieses Deutschland wiederum ein ärgerlicher Wirtschaftskonkurrent.

Muss man sich als Europäer ärgern, wenn Trump den "Brexit" bejubelt? Muss man sich fürchten, wenn er die NATO für "obsolet" erklärt? Besser aber wäre es, sich der eigenen Stärken gewahr zu werden: Die EU, viel gescholten und immer wieder von Krisen geschüttelt, ist immerhin das größte Friedensprojekt, das jemals verwirklicht wurde. Ihre gigantische Wirtschaftskraft wird nicht einknicken, nur weil der neue Herr des Weißen Hauses seine 140-Buchstaben-Droh-Tweets in die Welt schickt.

Und auch die NATO wird so bald ihr Leben nicht aushauchen. Denn auch wenn die USA die mit Abstand stärkste Militärmacht der Welt sind, werden sie nicht ohne Alliierte existieren wollen/können. Mit Polterei seine Freunde zu verprellen, mag Präsident Trumps politisches Stilmittel sein. Dem allen unaufgeregt, rational, geschlossen und vor allem selbstbewusst zu entgegnen, ohne in Trumps Provokationsfalle zu tappen – das wäre der Stil, in dem Europa antworten sollte.