über den Brexit
06/25/2016

Wer führt Völker und Menschen zueinander?

Die Briten sind ohne Plan aus der EU geflüchtet. Es fehlen Politiker, die für die Zukunft ihres Landes arbeiten.

von Helmut Brandstätter

Die Briten sind ohne Plan aus der EU geflüchtet.

Dr. Helmut Brandstätter | über den Brexit

Lustig kann er ja sein, der Boris Johnson, dessen Aussagen oft so wirr sind wie sein blonder Haarschopf. Leider zeigte der Ex-Bürgermeister von London erst am Tag nach der Abstimmung sein wahres Gesicht. Nein, es gebe jetzt "keinen Grund zur Hast" bei den Verhandlungen zum Austritt seines Landes aus der EU. Und: "Wir sind im Herzen Europas." Wie bitte? Derselbe Politiker, der mit absurden Hitler-Vergleichen und anderen Lügen sein Volk aus der Europäischen Gemeinschaft geschubst hat, verspürt keinen Spaß mehr an seinem Spielzeug. Jetzt kommt harte Arbeit auf Briten und Brüssel zu, jetzt müssen die Bedingungen geklärt werden, unter denen die Insel weiter mit der EU sinnvoll Handel treiben kann. Das muss schnell gehen, weil die Unsicherheit Investitionen blockiert und der Wirtschaft auf beiden Seiten des Kanals schadet. Johnson und die Seinen haben keine Vorstellung, wie das aussehen könnte, sie haben ihren Spaß gehabt. Die reichen Boys der Elite Unis, die so gerne auf das "Establishment " losgehen, werden nicht büßen, sie haben doch sicher ihre Pounds rechtzeitig umgetauscht.

Aber an der akuten Krise sind die blinden und tauben Politiker in den EU-Staatskanzleien genauso schuld wie die verantwortungslosen Populisten, die ja nie so getan haben, als hätten sie Lösungen für die vielen Probleme Europas. Aber die ehemals etablierten Parteien, mit denen Europa nach dem Krieg wieder auferstand, haben die Veränderungen einfach nicht verstehen wollen. Gestern haben in den sozialen Medien viele jüngere Briten darauf hingewiesen, dass sie ja in der EU bleiben wollten, während die Älteren ihnen mit dem Brexit die Zukunft verbauen würden. Die Zahlen belegen , dass bis zu den 50-Jährigen der Wunsch nach Verbleib groß war, die Älteren aber die Insellösung gewählt haben. Tatsache ist, dass die um 1960 geborenen Europäer die einzige Generation der menschlichen Geschichte bildet, die ohne Angst vor Krieg wachsenden Wohlstand genießen konnte. Jobs waren sicher, Wohnungen billig und die Pension erschien noch sicher. Dieser Zustand ist nur durch Reformen haltbar, zu denen die Politik zu feig ist.

Aus Groß- wird Kleinbritannien

Junge Briten verstehen, dass Abschottung und Einsamkeit kein Programm für die Zukunft sind. Die Schotten wollen deshalb schnell von Großbritannien und in neuer Freiheit zurück in die EU. Wer gestern noch laut Freiheit gerufen hat, wird den Schotten ihre Freiheit kaum verbieten können. Was die Iren machen, werden wir sehen, hoffen wir auf den Bestand des jungen Friedens .

Wie einfach es ist, ein Land zu spalten und Leute gegeneinander aufzubringen, vielleicht sogar Großbritannien zu zerstören,das haben wir gesehen. Wer aber führt Menschen wieder zusammen, erklärt, dass Demokratie auch den Ausgleich von Interessen verlangt, sogar Kompromisse? Die Populisten wollen das nicht, es pass t nicht zu ihnen. Und die Etablierten haben bewiesen, dass sie es nicht können. Bis jetzt jedenfalls.

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