Meinung | Kommentare | Innenpolitik
20.08.2017

Spalten ist leicht, wer aber führt zusammen?

Politische Auseinandersetzungen werden immer mehr gegeneinander geführt. Eine gefährliche Sackgasse.

Eine Gesellschaft spalten, Menschen gegeneinander ausspielen ist leicht, aber was dann?

Dr. Helmut Brandstätter | über politische Auseinandersetzungen

"Der Mohr hat seine Arbeit getan, der Mohr kann gehen", heißt es in Friedrich Schillers "Verschwörung des Fiesco zu Genua." Der Mohr des Donald Trump war Steve Bannon. Nach getaner Arbeit wurde er nun aus dem Weißen Haus hinauskomplimentiert, obwohl er sein Ziel noch nicht erreicht hat, aber vielleicht hat sogar Trump Angst vor ihm bekommen. Seine politische Aufgabe hat er einmal so erklärt: "Lenin wollte den Staat zerstören, und das ist auch mein Ziel. Ich will alles zum Einsturz bringen und das komplette politische Establishment zerstören." Damit ist er weiter gekommen, als uns noch bewusst ist. Trump hat bestehende Strukturen im Außenministerium zerschlagen, und damit die Berechenbarkeit seiner Außenpolitik. Denn Bannon kann nur in der Dimension von Konflikten denken: Die christliche Kultur gegen "islamischen Faschismus", die "weiße Überlegenheit" gegen alle anderen Menschen. Und weltpolitisch sieht er einen großen Wirtschaftskrieg zwischen den USA und China kommen, den nur einer der beiden Staaten überleben wird. Für Bannon gibt es nur den totalen Sieg oder die totale Niederlage, Totalitarismus eben.

Donald Trump, mit unbändigem Ehrgeiz und ohne politische Ideen, war Bannon gefolgt, weil er damit erfolgreich war: Amerikaner gegen Mexikaner, USA gegen Europa, der Irre aus Nordkorea muss vernichtet werden. Täglich muss es High Noon spielen und es kann nur einen Sieger geben. Doch bei den Aufmärschen von Neonazis in Charlottesville, wo ein Mädchen von einem Rechtsextremen übefahren und getötet wurde, war der Präsident plötzlich verwirrt. Auf welcher Seite sollte erstehen? Erst Schweigen, dann war er gegen die Neonazis, und dann gab er beiden Seiten die Schuld. Ja, wer Menschen aufhetzt, weil es das einzige politische Ziel ist, die Gesellschaft zu spalten, um davon zu profitieren, der wird am Ende hilflos überbleiben.

Herz ist gut, Hirn aber wichtiger

Aber warum nehmen weltweit Aggressionen, Anfeindungen und Abwertungen zu, auch in (noch) gefestigten Demokratien? Wir Menschen sind in unserem Verhalten vom limbischen System gesteuert, dem ursprünglichen Reptilienhirn, wo Emotionen gesteuert und Bilder gespeichert werden. Bilder und Gefühle sind für unsere Entscheidungen oft wichtiger als scharfes Nachdenken. Darauf baut die Werbung auf, immer mehr auch die politische, und leider auch politisches Reden und Handeln.

Und leider ist es geradezu logisch, dass Menschen in Situationen von Krise und Angst noch mehr auf ihre Instinkte als auf ihr Hirn vertrauen. Umso mehr müssen Politiker, die Verantwortung spüren, es vermeiden, noch mehr Emotionen ins Volk zu bringen. Jeder soll sich "holen, was ihm zusteht", klar, aber niemand wird leugnen, dass da auch Neidgefühle angesprochen werden sollten. Und wer die Mindestsicherung einer ganzen Flüchtlingsfamilie gegen das Einkommen eines Pensionisten aufrechnet, will damit auch kein Budget-Problem darstellen, sondern Neid wecken.

Eine Gesellschaft spalten, Menschen gegeneinander ausspielen ist leicht, aber was dann? Globalisierung und Digitalisierung stellen unsere ganze Wirtschaft in Frage. Diese Herausforderung werden wir gemeinsam oder gar nicht schaffen. Die Hetze frisst auch ihre Urheber.