über das Lehrer-Dienstrecht
06/02/2013

Schulen mehr als Lehrer-Arbeitsplätze

Für überfällige Bildungsreform sind Verhandlungen über ein paar Stunden mehr Unterricht bloß Peanuts.

von Peter Rabl

Traditionelle Betonschädeligkeit der Gewerkschafter ist bloß eine billige Ausrede.

Peter Rabl | über das Lehrer-Dienstrecht

Arroganter Zynismus oder surreale Betriebsblindheit? Noch zwei, drei Jahre mehr Verhandlungen über eine Reform des Dienstrechtes – also eines sehr kleinen Teils einer überfälligen Bildungsreform – sind für den obersten Lehrergewerkschafter kein Problem. Getreu dem von Bildungs-Volksbegehrer Androsch formulierten Denken: „Ohne uns geht nix, und mit uns geht genau so viel, nämlich auch nix.“

Wenige Tage nach der unsäglichen Ansage des Gewerkschafters liefert der Lesetest unter Wiener Schülern die alarmierende Realität: Jeder fünfte Schüler kann nicht ausreichend lesen. Verfügt also nicht über eine der unverzichtbaren Voraussetzungen für ein erfolgreiches, selbstbestimmtes Leben.

Es ist längst überfällig, gegenüber den Lehrergewerkschaftern Grundsätzliches klarzustellen und politisch durchzusetzen: Schulen sind zuallererst Bildungsstätten für Schüler und dann erst Arbeitsplätze für Lehrer. Die politische Verantwortung für die Zukunft der Jugend wiegt in jedem Fall wesentlich schwerer als die sozialpartnerschaftliche Rücksichtnahme auf Gewerkschaftsinteressen.

Verglichen mit diesen bildungspolitischen Selbstverständlichkeiten sind die Regierungen der letzten 20 Jahre durchgängig an ihrer eigenen inhaltlichen Beschränktheit gescheitert. Traditionelle Betonschädeligkeit der Gewerkschafter ist bloß eine billige Ausrede.

Bildung ganzheitlich denken

Unser Bildungssystem erbringt insgesamt trotz im internationalen Vergleich rekordhoher Kosten nach allen einschlägigen Untersuchungen teilweise alarmierend schwache Ergebnisse. Nur in der Lehrlingsausbildung ist Österreich weit überdurchschnittlich gut.

Statt Bildung ganzheitlich zu denken und entsprechend umfassend zu reformieren, verlieren sich serienweise Unterrichtsministerinnen am Nasenring der Lehrergewerkschaften in Detailfragen. Dabei liegen grundsätzliche und umfassende Konzepte für eine Bildungsreform seit Jahren vor. Von der Industriellenvereinigung etwa, oder von den Sozialpartnern in einem erst jüngst aktualisierten ausgefeilten Papier. Zuletzt auch im Text des Bildungsvolksbegehrens.

So pathetisch es klingen mag, so realistisch ist es doch: Die umfassende Bildungsreform vom Kindergarten bis zu Universitäten und Spitzenforschung ist die entscheidendste Voraussetzung für eine gute Zukunft des Landes im globalen Wettbewerb und damit auch für die Erhaltung des Sozialstaates.

Ideologisches Lagerdenken und gewerkschaftliche Selbstsucht blockieren seit Jahrzehnten jeden Ansatz zum großen Wurf. Ständiges Absinken in wichtigen internationalen Rankings und steigende Zahlen von nicht ausreichend gebildeten jungen Leuten mit sehr eingeschränkten Zukunftschancen sind die unübersehbaren Folgen kollektiven politischen Versagens.

Wahlkämpfende Parteien und künftige Koalition sollten daher vor allem an ihren Antworten auf diese historische Herausforderung gemessen werden.

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