Schönreden ist kein Erfolgsrezept

Findet die ÖVP nicht bald eine Antwort auf die Neos, laufen ihr weiter Wähler in Scharen davon.

Das eigene Hemd ist näher als Spindeleggers Rock.

Karin Leitner | über die Folgen der Wahl

Sie waren die Stars des Wahlabends. Aus dem Stand schafften die Neos in Salzburg 12,4 Prozent, Platz 4 von elf möglichen und einen Stadtrat dazu. Es ist der zweite Erfolg nach dem Einzug in den Nationalrat im vergangenen Herbst. Das gute Salzburg-Ergebnis ging vor allem zulasten der ÖVP.

Es wird nicht die letzte Wahl sein, bei der Schwarze zu den Polit-Neulingen überlaufen, vor allem im urbanen Milieu. Frisch, dynamisch wirkt Neos-Chef Matthias Strolz; er vermittelt das Gefühl, etwas zu wollen. Alt, freudlos schaut die ÖVP im Vergleich zu ihm und den Seinen aus. Verzopft wirkt sie gesellschaftspolitisch; unwillig, sich Neuem zu öffnen. Ein Adoptionsrecht für Homosexuelle traute sich Minister Rupprechter zu begehren. "Kein Thema", hieß es postwendend aus der Bundespartei.

Mit "Hände falten, Gosch’n halten" (Ex-Mandatar Ferry Maier) wird die Vizekanzler-Partei den Pinken nicht Paroli bieten. Auch nicht mit Schönreden ("Wir haben insgesamt in Salzburg sehr gut abgeschnitten"), wie das Parteichef Spindelegger tut. Das werden ihm nicht einmal die eigenen Funktionäre durchgehen lassen. Schon gar nicht jene ÖVP-Oberen, in deren Ländern bald gewählt wird. Besorgt sind sie, dass die Neos auch an ihrer Stammklientel knabbern. Damit wird auch wieder Schluss sein mit Rücksicht auf Befindlichkeiten der Bundes-VP. Das eigene Hemd ist näher als Spindeleggers Rock. Der versprochene "Erneuerungsprozess" wird den Obmann vor weiterem Ungemach nicht bewahren. Zu spät kommt er. Einen solchen hat es bereits gegeben, unter dem einstigen Parteiboss Josef Pröll. Perspektiven wollte der Lebensfrohe den Schwarzen geben. Sie verblieben in der Gegenwart. Wie wollen sie da mit Spindelegger in die Zukunft starten?

Erstellt am 11.03.2014