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26.01.2018

Rote Weichenstellung in zwei Richtungen

Links um im ÖGB! Rechts um in Wien? SPÖ-Chef Kern droht, bald endgültig zwischen allen Stühlen zu landen.

SPÖ-Chef Kern droht bald endgültig zwischen allen roten Stühlen zu landen.

Josef Votzi | über die SPÖ-Rochaden in Wien und ÖGB

Der rote Showdown morgen Samstag zwischen Michael Ludwig und Andreas Schieder um die Häupl-Nachfolge sorgt seit Wochen für Schlagzeilen. Den Termin am Tag davor hatten nur ein paar SPÖ-Spitzenfunktionäre auf dem Kalender, und er war bis zu einem Bericht im jüngsten Sonntag-KURIER höchst vertraulich. Die Chefs der roten Teilgewerkschaften (also aller außer der schwarz-türkisen Beamtengewerkschaft) wollten ein Personalpaket für die neue Gewerkschafts- und Arbeiterkammer-Führung absegnen. Der Termin wurde gestern kurzfristig abgesagt. Die Rochade an der ÖGB-Spitze ist zwar ausgedealt, eine Schlüsselfrage aber noch offen.

Im Windschatten des ersten Stresstests für die Regierungsehe Kurz-Strache in Sachen Braun & Blau, sind die Roten dabei die letzten roten Bastionen neu zu besetzen. Mit nachhaltigen Folgen: Wer künftig in der Gewerkschaft und in Wiens SPÖ das Sagen hat, bestimmt auch den künftigen Kurs der Sozialdemokraten. In der Gewerkschaft stehen alle Zeichen auf einen Linksruck. In Wien gehen auch hochrangige Schieder-Fans von einem Sieg Michael Ludwigs und damit des rechten SPÖ-Flügels aus.

Die SPÖ tut sich schon jetzt sichtlich mit der harten Oppositionsbank schwer. Die anstehenden Personalrochaden könnten das noch schwerer machen. Denn der rechte Parteiflügel wird sich durch die Wahl Ludwigs massiv gestärkt fühlen. Der dort verpönte linke Flügel wird künftig auf den starken Arm der Gewerkschaft setzen können. Rechts liebäugelt immer noch mit einer Koalition mit ganz rechts. Links hat die Hoffnung auf ein Bündnis mit links der Mitte nicht aufgegeben. Christian Kern muss als Parteichef mit beiden Lagern leben – und droht bald endgültig zwischen allen Stühlen zu landen.