über Reformen
03/03/2014

Rezepte gegen Flucht der Ärzte gefordert

Im Gesundheitssystem brennt der Hut. Höhere Gehälter für Jungmediziner wären gut, es braucht aber mehr.

von Bernhard Gaul

Im Gesundheitssystem brennt der Hut.

Bernhard Gaul | über Reformen

Bis in die 1990er-Jahre kam es nicht selten vor, dass Medizin-Absolventen die Wartezeit auf einen Turnus-Ausbildungsplatz mit Taxifahren überbrücken mussten. Ein Kassenvertrag galt noch als Lottosechser. Und fern der Städte lockten die Gemeinden Fachärzte mit bestens ausgestatteten Ordinationen an, samt Villa für den Herrn Doktor.

Diese Zeiten sind schon lange vorbei. Jungärzte müssen nicht mehr auf einen Turnusplatz warten. Kaum ein Arzt will aufs Land gehen. Und Kassenverträge werden ob der schlechten Bezahlung als Mühsal empfunden.

Dazu kommt, dass Jungärzte längst mobil geworden sind. Ausländische Kliniken locken erfolgreich mit höherer Bezahlung und schnellerer Facharztausbildung. In Österreich müssen die Mediziner noch immer den Turnus genannten, oft sinnlosen Sklavendienst vier Jahre lang über sich ergehen lassen.

Niemand darf sich daher wundern, dass immer mehr Jungärzte Österreich verlassen. Neue Studienplätze in Linz, auf Drängen der Gemeinden soeben geschaffen, werden genau gar nichts daran ändern. Weil die Gesundheitslandesräte kein Geld für bessere Gehälter in die Hand nehmen wollen oder können. Und weil sich das Gesundheitsministerium und die allmächtige Ärztekammer seit Jahren nicht auf eine sinnvolle Neuregelung der Ausbildung einigen können.

Jetzt brennt der Hut des Gesundheitssystems. Eine große Reform muss her – und sie muss so rasch wie möglich umgesetzt werden. Sonst kann statt der gern gesungenen Loblieder auf das ach so tolle Gesundheitssystem, für das uns alle Welt beneidet, bald eine Symphonie in Moll angestimmt werden.

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