über das Überlebens-Problem der NEOS
10/29/2014

Neos auf dem Retro-Trip

In Österreich ist das Saufen, nicht das Kiffen alltäglich. Matthias Strolz hat nun aber ein ganz anderes Problem.

von Josef Votzi

Alltäglich ist nicht das Kiffen, sondern das Saufen

Josef Votzi | über das Überlebens-Problem der NEOS

In Österreich wird der Genuss von Alkohol auch öffentlich zelebriert. Cannabis wird im geschützten privaten Rahmen konsumiert. Besonderes Aufsehen erregt weder das eine noch das andere. Mit Nachdruck verfolgt wird der gewerbliche Anbau und Handel. Wegen der Haschisch-Zigarette von gestern steht in der Regel am nächsten Tag nicht die Polizei vor der Tür.

Die Neos fordern nun als erste Partei die völlige Legalisierung des Umgangs mit Cannabis (mehr dazu siehe hier) – als mutige Ansage gegen die Verlogenheit, so Matthias Strolz. Es spricht vieles dafür, den privaten Konsum zu entkriminalisieren. Die Gleichstellung mit Alkohol oder Nikotin bleibt fraglich. Haschisch ist nicht gleichzusetzen, wirkt bei regelmäßigem Konsum bei vielen aber alles andere als harmlos.

Mutiger wäre anzusprechen, was wirklich Sache ist: Alltäglich ist nicht das Kiffen, sondern das Saufen. Bei Sucht-Prävention und -Therapie wäre viel aufzuholen. Mutiger wäre auch, für eine konsequente Nichtraucher-Politik mobilzumachen. Denn in Wahrheit redet Strolz einen Betriebsunfall schön. Bei der Neos-Versammlung war nach einem langem Samstag ein Gutteil schon gegangen. Der verbliebene Rest setzte gegen den ausdrücklichen Willen des Parteichefs die weiche Drogen-Linie durch.

Die Neos haben eine Welle von Erwartungen ins Hohe Haus gespült: Bewegung statt Stillstand von der Schul- bis zur Pensionspolitik; gemeinsames Ärmelaufkrempeln statt gegenseitigem Niedermachen; frischer Wind statt Politsprech-Mief. Das Liberale Forum, Vorläufer und jetzt Teil der Neos, ist gescheitert, weil es sich in Nischenthemen allzu sehr breitmachte: Heide Schmidt brillierte in kleinen Zirkeln mit Debatten über das Kreuz in Klassenzimmern. Viele, die von ihr weitaus mehr erwarteten, wandten sich enttäuscht ab. Jetzt müssen sich Matthias Strolz und die Neos diesem Überlebens-Problem stellen.

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