über den Terror in Paris
01/10/2015

Schockwellen des Terrors

Die Anschläge in Paris dürfen nicht das Zusammenleben in Europa vergiften.

von Martina Salomon

Die Anschläge in Paris dürfen nicht das Zusammenleben in Europa vergiften.

Dr. Martina Salomon | über den Terror in Paris

Der radikale Islam zeigt seine terroristische Fratze. Verrückte haben in Paris schon wieder zugeschlagen. Es ist ein Angriff auf Europas Gesellschaftsmodell. Er wird scheitern, aber unser aller Leben schleichend verändern: Man wird die Bürger mit noch mehr nutzlosen Sicherheitsvorkehrungen quälen. Kultur- und Medienleute werden noch häufiger gegen vorauseilende Selbstzensur ankämpfen müssen. Rechtspopulisten werden noch mehr Rückenwind bekommen. Und, was am schwersten wiegt: Das Misstrauen zwischen den Kulturen wird weiter zunehmen.

In erster Linie ist das ein Problem für Muslime selbst (was die Vernünftigen auch wissen, siehe Gastkommentar S. 13). Bei vielen hat die Religion kaum mehr Bedeutung, auch wenn Gastauftritte des türkischen Präsidenten Erdogan leider auf das Gegenteil abzielen. Wenn allerdings eine gesamte Gruppe unter Generalverdacht gerät, dann fördert das (weitere) Abschottung und oft auch den Rückzug auf eine "muslimische Identität", die es so vorher vielleicht gar nicht gab. Das ist die wahre Krise, und daher muss man leider auch in Österreich genauer hinschauen, wo sich radikale Zellen bilden bzw. längst gebildet haben. Anfällig dafür sind Burschen aus schwierigem Milieu, denen beim Aufwachsen ein Vater fehlte. Sie suchen sich gern als Ersatz besonders maskuline Identifikationsfiguren. (Übrigens ein weiterer Beweis, dass das Bildungs- und Erziehungswesen dringend mehr "coole" männliche Vorbilder braucht.)

Was oder wer ist der "wahre Islam"?

In den nächsten 30 Jahren wird sich der Anteil der Muslime in Wien auf 21 Prozent verdoppeln. Die Hoffnung besteht, dass sich die hier Lebenden beglückwünschen, nicht in einem Land wie Saudi-Arabien leben zu müssen, wo ein Blogger (Raif Badawi) für seine religionskritische Haltung zu öffentlicher Auspeitschung und Haft verurteilt wird. Es ist ja recht seltsam, dass gerade die sich als besonders aufgeklärt Gebenden (auch in den christlichen Kirchen) meinen, das alles habe rein gar nichts mit dem "wahren Islam" zu tun. Dazu meint die linksliberale Berliner TAZ völlig richtig: "Der Islam ist die Summe dessen, was diejenigen, die sich auf ihn berufen, daraus machen."

Umso mehr wünscht man sich zu menschenverachtenden Aktionen im Namen Allahs nicht nur vereinzelte kritische Stimmen aus der heimischen muslimischen Community, sondern machtvolles, geschlossenes und öffentlich sichtbares Auftreten dagegen. Das würde die Ängste der "Mehrheitsbevölkerung" dämpfen. Dass diese Ängste von der regierenden Politik in ganz Europa geleugnet bzw. ins rechte Eck gestellt werden, ist ein Riesenfehler. Auch die Beschwörungsformel "Wir brauchen mehr Zuwanderung" stimmt nur bedingt. Gebraucht werden qualifizierte Fachkräfte und insgesamt mehr Arbeitswillige. Mehr Zuzug ins Sozialsystem ist hingegen bei mehr als 400.000 Arbeitslosen kaum noch verkraftbar. Fehlende Jobs und Aufstiegsperspektiven für Junge können die Gesellschaft spalten. Das ist brandgefährlich.

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