über einen Hoffnungsträger
03/31/2013

Auf so einen Papst hat Kirche gewartet

Franziskus sprengt überkommene Traditionen und will eine neue Kirche in der und für die Welt bauen.

von Peter Rabl

Franziskus sprengt Traditionen und will eine neue Kirche in der und für die Welt bauen.

Peter Rabl | über einen Hoffnungsträger

Am Ende verschenkt der Papst den ganzen Reichtum der Kirche an die Armen. Ganz so weit wird Franziskus wohl nicht gehen wie vor 45 Jahren sein fiktiver russischer Vorgänger Kiril im Erfolgsfilm „In den Schuhen des Fischers“. Doch der Papst vom anderen Ende der Welt geht offensichtlich nicht nur verbal daran, eine „arme Kirche und eine Kirche für die Armen“ zu bauen.

Auf so einen Papst hat die katholische Kirche gewartet. Und nicht nur sie.

Seinen Stil der Bescheidenheit , weit abgewandt vom überkommenen und vom Vorbild eines Jesus allzu sehr abgekommenen vatikanischen Prunks, lebt Franziskus glaubhaft in nahezu täglich neuen Symbolen. Zuletzt mit der traditionellen Fußwaschung am Gründonnerstag. Nicht vollzogen an Priestern im Petersdom, sondern an Insassen eines Jugendgefängnisses in der römischen Vorstadt.

Zwölf Männern, symbolhaft für die Apostel, wäscht und küsst der Papst traditionell die Füße. Dass diesmal zwei junge Frauen darunter waren, widerspricht zwar den Regeln der Liturgie. Es lässt aber manche Deutungen und Hoffnungen für ein neues Verständnis dieses Papstes für die Rolle der Frau in der Kirche zu.

Handfester und zupackender Reformer

Völlig klar scheint weit jenseits aller Vatikan-astrologischen Deutungen persönlicher Symbolik die Entschlossenheit des Papstes, seiner Kirche als handfester und zupackender Reformer eine neue Richtung zu geben.

Er hat den Kardinälen in einer – inzwischen gezielt veröffentlichten – kritischen und programmatischen Rede die weitestgehende Abkehr vom herrschenden Selbstverständnis des Papsttums und der ganzen Kirche präsentiert.

Die Kirche sei krank. „Die Übel, die sich im Laufe der Zeit in den kirchlichen Institutionen entwickeln, haben ihre Wurzeln in der Selbstbezogenheit“, in einem „Geist des theologischen Narzissmus“. Letzteres eine ziemlich unverblümte Abkehr von seinem Vorgänger Benedikt XVI, der zunehmend in eine Mischung aus erdferner theologischer Theorie und bayrischem Kinderglauben entschwebt schien.

Gleichzeitig erteilte Franziskus dem in den letzten Jahren – auch in Österreichs Episkopat – herrschenden Trend zu einer kleinen und in sich geschlossenen Schar der besonders Gläubigen eine scharfe Absage. Eine „egozentrische Kirche“ beanspruche „Jesus für sich drinnen“ und lasse „ihn nicht nach draußen treten“.

Statt einer „mondänen Kirche, die in sich, von sich und für sich lebt“, ruft Franziskus auf, hinauszugehen „nicht nur an die geografischen Grenzen, sondern an die Grenzen der menschlichen Existenz“.

Wenn heute Millionen auf den Petersplatz schauen, dann ist da weit mehr als kirchliche Folklore. Dann schauen sie auf einen Mann, der weit über seine Kirche hinaus ein geistiger Hoffnungsträger und eine neue moralische Autorität für die Welt werden könnte.

Urbi et orbi.

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