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04.03.2013

Strache – hilflos in der großen FP-Krise

Beim Sammeln von Proteststimmen war die FPÖ stets erfolgreicher als beim Regieren. Aber nur bis Montag.

Als generelles Feindbild werden wieder 'die Ausländer' herhalten müssen.

Dr. Helmut Brandstätter | über die Krise der FPÖ

Das Wort Demut hat man aus dem Mund eines FPÖ-Politikers schon lange nicht mehr gehört. Am Tag nach der historischen Niederlage in Kärnten empfiehlt FPÖ-Chef Strache erstmals diese, in der Politik generell wenig verbreitete Tugend. Aber wollen wir uns nicht zu viel erwarten. In der FPÖ geht es jetzt offenbar darum, wie sehr sich der Wahlverlierer radikalisieren wird, um die Enttäuschten und Wütenden zurückzugewinnen, die in Frank Stronach einen neuen Helden gefunden haben.

Schlimm für die FPÖ war ja, dass sie am Montag sowohl in ihrem Machtzentrum Kärnten als auch in der niederösterreichischen Opposition verloren hat. Die patzige Event-Politik versagte ebenso wie Frau Rosenkranz, die sich vor Jahren mit ihrer Distanzierung vor dem Nationalsozialismus sehr schwer getan hatte.

So wie es aussieht, wird die FPÖ nach Minuten der Demut für schrille Schreie sorgen. Als generelles Feindbild werden wieder einmal „die Ausländer“ herhalten müssen. Während Stronach auf diesem Gebiet keine Konkurrenz darstellt, wird der Kampf um die radikalste Anti-EU-Ansage noch ausgetragen. Hier hat sich der steirische FPÖ-Chef hervorgetan, der jetzt von einem EU-Austritt spricht. Parteichef Strache spekulierte zuletzt gegenüber dem KURIER nur mit einem Euro-Austritt.

Aber auch hier könnte es sein, dass Stronach, jedenfalls für eine gewisse Wählergruppe, attraktiver ist. Seine Theorie, jedes Land solle seinen eigenen Euro haben, klingt zwar für Ökonomen allzu kraus, aber in Wirtschaftsfragen wird man eher Frank als HC trauen.

Freilich stellt sich die FPÖ mit einer weiteren Radikalisierung ins Winkerl. Nach der Salzburger Wahl könnte der Sieger einen Partner brauchen. Eine FPÖ, die die EU verlassen will, wird dafür nicht infrage kommen.