über Österreichs Protestkultur
02/28/2013

Ja zur Empörung, Nein zur Zerstörung

Telekom und andere Skandale regen auf – wie können sich die Bürger dagegen wirksam wehren?

von Martina Salomon

Niemand muss in Österreich etwas zerstören. Verbessern aber schon.

Dr. Martina Salomon | über Österreichs Protestkultur

Stéphane Hessel ist tot. Als über Neunzigjähriger hat der ehemalige Diplomat in einer Streitschrift an die Jugend appelliert: „Empört euch“. In Österreich blieb es bei einem überwiegend von Älteren gekauften Bestseller. Wogegen lohnte in Österreich Empörung?

Gegen ein unfassbares System wie es im Telekom-Prozess zutage trat. Da wurde nicht nur der Kurs manipuliert, um fette Boni einzustreifen, da durften sich die Geldboten für den Broker auch noch „ein Packerl“ vom Geld nehmen. Empörung ist auch gegen Länder und Städte gerechtfertigt, die mit offenbar „überschüssigem“ Steuergeld spekulierten und nun nicht einmal wissen, ob und wie viel Geld dabei verloren wurde.

Der Bürger bleibt fassungslos zurück, scheitert aber beim Versuch, solche Systeme abzuwählen. Denn die Profiteure politischer Umwälzungen sind oft nicht besser. Siehe Jörg Haider, dessen FPÖ unter der auch damals schwer skandalgeschüttelten großen Koalition als Kontrollpartei in bis dahin ungeahnte Höhen schoss.

Nach dem heurigen Wahljahr wird das Land wahrscheinlich noch schwerer zu regieren sein, was (wie in Italien) auch an den Protestwählern liegen könnte. Die Geschichte lehrt aber: Es gab schon andere, die Hunderttausende auf Plätzen versammelten und das gesamte politische System zerstören wollten (und es taten).

Niemand muss in Österreich, einem der wohlhabendsten und gerechtesten Länder der Welt, etwas zerstören. Verbessern aber schon. Wohin also mit der Empörung? Einen Teil davon nimmt uns die Justiz ab. Aber die Jüngeren (unabhängig vom Lebensalter) dürfen die Politik nicht nur den Älteren überlassen und darauf warten, dass es diese „schon richten“. Sie haben es sich nämlich oft gerichtet – auf Kosten der Jungen.

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