Meinung | Kommentare | Innenpolitik
02.02.2018

Hoffentlich auf dem Weg in die Normalität

Die Freiheitlichen haben – spät – richtig reagiert. Udo Landbauer legt alle Funktionen zurück.

Den "Hausputz" hat die Partei noch vor sich.

Dr. Martina Salomon | über den Landbauer-Rücktritt.

Auch wenn in Medien bei der FPÖ oft das Motto gilt: genug ist nie genug, muss man den Rücktritt des NÖ-Spitzenkandidaten anerkennen. Möglicherweise stimmt, was Niederösterreichs Altlandeshauptmann Erwin Pröll in einem KURIER-Schau-TV-Interview gesagt hat: Dass sich nun ein Mondfenster öffnet, um braune Flecken bei der FPÖ zu beseitigen. Diesen "Hausputz" hat die Partei noch vor sich.

Wichtig für die Blauen ist aber auch, ihre personelle Basis zu verbreitern. Derzeit sind die Burschenschaften eine Haupt-Personalressource. Die Zeiten, wo sich zum Beispiel Teile der Industriellenvereinigung zur FPÖ bekannten, sind lange vorbei. Das Establishment wollte verständlicherweise an einer populistischen, EU-feindlichen und Skandal-behafteten Partei nicht mehr anstreifen. Dieses moderate "Hinterland" fehlt jetzt.

Heinz-Christian Strache muss beweisen, dass die Partei nicht nur aus Säbelrasseln besteht. Keine leichte Aufgabe. Er selbst hat sich in seiner Jugend im Umfeld rechtsextremer Kreise bewegt, spielt aber im Gegensatz zu seinem Vorgänger Jörg Haider nicht mit Nazi-Vokabular. Für seine deutliche Distanzierung von skandalösen antisemitischen Inhalten der Burschenschaften am Akademikerball wurde er von seinen Fans nicht bejubelt. Sie werden ihm auch jetzt vorwerfen, in die Knie gegangen zu sein.

Landbauers Nachfolger, Gottfried Waldhäusl, ist ebenfalls nicht unumstritten. Er fiel bereits mit problematischen Äußerungen auf. Etliche ÖVPler hätten daher in Wahrheit mit Landbauer besser gekonnt. Möglicherweise ist dieser ein Bauernopfer. Aber für die politische Hygiene des Landes war der Schritt richtig.