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13.06.2017

Gute Schulnachricht kurz vor Ferienstart

Als gelernter Österreicher ist man geneigt zu fragen: Wo ist der Hund begraben? Aber: Wir dürften Augenzeugen eines seltenen glücklichen Zufalls sein.

Gute Schulnachricht kurz vor Ferienstart: Bald grünes Licht für mehr Freiraum im Klassenzimmer?

Josef Votzi | über den Durchbruch bei der Schul-Autonomie

Zweieinhalb Jahre wurde verhandelt, zuletzt wurde aber nur noch auf Teufel komm raus taktiert. Seit fix ist, dass am 15. Oktober gewählt wird, stand zu befürchten: Rot-Schwarz will einander nicht einmal mehr den klitzekleinsten Erfolg gönnen. Die bereits zum Greifen nahe Einigung bei der Schul-Autonomie war dabei, sich zu einer Fata Morgana zu verflüchtigen.

Kurz vor Ferienstart nun die gute Schulnachricht: Der endgültige Durchbruch ist nur noch eine Frage von Tagen.

Als gelernter Österreicher ist man geneigt zu fragen: Wo ist der Hund begraben? Er ist bis jetzt ist nicht auszumachen.

Wir sind Augenzeugen eines glücklichen Zufalls – eines Interessenabtauschs in letzter Minute, mit dem alle sehr gut leben können. Kurz’ "neue ÖVP" ist die Sorge los, in der Lebensfrage Schule "als alte Partei der Blockierer" dazustehen. Kerns SPÖ kann sich auf die Fahnen heften, ausgerechnet im schwarzen Vorarlberg die seit Jahrzehnten vergeblich herbeigeredete Gesamtschule endlich testen zu können. Und – was allein entscheidend sein sollte – die Schul-Praktiker sind einem besseren Unterrichtsalltag ein gutes Stück näher: Flexible Schulöffnungszeiten und Unterrichtseinheiten; freie Hand der Direktoren bei der Neueinstellung von Lehrern und Wahl der richtigen Gruppengröße in den einzelnen Fächern.

Just am Tag des überraschenden Go ließ "Mut-Direktorin" Andrea Walach einen letzten Hilferuf los: "Wir brauchen die Reform jetzt". Die Direktorin einer Wiener Problemschule hatte im März 2016 via KURIER eine bundesweite Debatte über die Missstände im Klassenzimmer ausgelöst. Sie warnte eindringlich vor einer "verlorenen Generation", die das Schulsystem produziere. Nicht nur die couragierte Pädagogin könnte nun bald jenen Spielraum haben, den sie im Sonntag-KURIER dringend eingefordert hat: "Ich bin der festen Überzeugung, wenn man die Schulstandorte so arbeiten lässt, wie sie glauben, dass es für ihre Kinder gut und richtig wäre, würden sich sehr positive Effekte auf die Leistung der Kinder ergeben. Die Schulen müssen die Verantwortung für ihre Kinder übernehmen."