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25.07.2017

Grüne haben mehr zu verlieren als Peter Pilz

Er wollte die Ökos schon als Parteichef als "bessere" Populisten positionieren. Jetzt probiert er es im Alleingang.

Peter Pilz wollte Grüne vergeblich populistischer machen. Jetzt kann er nur an sich selbst scheitern.

Josef Votzi | über die neue Liste PIlz

Das können sich nur wenige erlauben. Seit gut drei Wochen sagt Peter Pilz "Ja, aber" auf die Frage, ob er nun bei der Wahl antritt. Heute soll es so weit sein. Gegner und Kommentatoren rätseln: Gekränkte Eitelkeit? Rachefeldzug? Angst vor dem Pensionsschock?

Die innere Wahrheit ist viel simpler. Peter Pilz könnte sich damit einen Wunsch erfüllen, den er seit einem Vierteljahrhundert vor sich herträgt. Was selbst bei den Grünen nur noch die wenigsten wissen: Der vorgeblich einsame Wolf der Grünen war Anfang der 1990er-Jahre nicht nur erfolgreicher Spitzenkandidat der Wiener Grünen, sondern bald danach auch "Parteichef" der Bundespartei. Die Ära Pilz währte aber nicht lange, denn der Haken war damals wie heute: Die basisbewegten Ökos dulden nur einen Chef unter Anführungszeichen. Wer mehr durchsetzen will, braucht viel Geduld und Sitzfleisch, und selbst das reicht oft nur für Etappensiege im Millimeterbereich.

Pilz wollte sich schon bald nach Einzug der Grünen ins Parlament als "der bessere Haider" positionieren, die Grünen raus aus dem umweltbewegten Eck holen und zu einer oppositionellen Sammelpartei machen. Motto: Breiter Linkspopulismus statt Öko-Fundamentalismus.

Weil ihm die betuliche grüne Funktionärswelt die Gefolgschaft verweigerte, profilierte sich Pilz zunehmend erfolgreich als Robin Hood in Sachen Korruption und Privilegien. Ein Vierteljahrhundert nach der missglückten linkspopulistischen Wende kann Pilz jetzt nur an sich oder seinen neuen Mitstreitern scheitern. Mehr zu verlieren hat freilich seine Ex-Partei. Für die Grünen gilt mehr denn je, was Kurzzeit-Parteichef Peter Pilz schon damals proklamierte: "Wir sind nicht durch Populismus, sondern durch extreme Volksferne gefährdet."