über Islam und Islamismus
01/11/2015

Für einen Dialog ohne Tabus und Feigheit

Islam ist nicht Islamismus. Die Moslems müssen eine Auseinandersetzung über ihren Glauben aushalten.

von Helmut Brandstätter

Die Moslems müssen eine Auseinandersetzung über ihren Glauben aushalten.

Dr. Helmut Brandstätter | über Islam und Islamismus

Das Königreich Saudi-Arabien beeilte sich, die Morde von Paris zu verurteilen: "Ein feiger Terroranschlag, den Vertreter des wahren Islam ablehnen", hieß es offiziell.

Kurz darauf wurde der saudische Blogger Raif Badawi nach dem Freitagsgebet vor die Al-Jafali-Moschee in Jeddah gezerrt und mit fünfzig Peitschenhieben gefoltert. Das ist nur der erste Teil einer monströsen Bestrafung mit insgesamt 1000 Peitschenhieben. Das "Verbrechen" des 30-jährigen Mannes: Er hat im Internet die Initiative Saudische Liberale gegründet und unter anderem die Behauptung aufgestellt, alle Menschen seien gleich, egal welcher Religion sie angehören. Das ist nach saudischem Recht Gotteslästerung.

Saudi-Arabien ist ein Verbündeter der USA und beliebter Handelspartner des Westens, Katar ist ein wichtiger Investor im Westen und nach deutschen Erkenntnissen gleichzeitig Geldgeber der Terroristen der IS. Auch andere arabische Diktatoren glauben, ihre Macht dadurch zu sichern, dass sie Terroristen anderswo finanzieren. Vielleicht begreifen das die westlichen Regierungen endlich und reden mit diesen arabischen Staaten darüber, anstatt mit ihnen Fußball zu spielen.

Die Menschenrechte gelten weltweit

Bei uns wird nach den Anschlägen von Paris und weiteren zu befürchtenden Terrorakten die Sehnsucht nach einer uniformen Gesellschaft ohne fremde Menschen und andere Religionen noch größer werden. Aber es gibt kein Zurück in Zeiten mit hermetisch geschlossenen Grenzen, ohne Flugzeuge und ohne Internet.

Unsere Erde ist ziemlich klein geworden, und da gibt es für ein zivilisiertes Zusammenleben nur eine Chance: Weltweit wird das akzeptiert, was in Frankreich vor über 200 Jahren aufgeschrieben und von den Vereinten Nationen verkündet wurde: Die allgemeinen Menschen- und Bürgerrechte, die eben universell, also für alle Menschen weltweit gültig sein müssen. Das gilt auch für alle Religionen. Jede Religion muss die anderen als gleichwertig anerkennen. Das kann nicht verhandelbar sein, dass müssen wir einfordern, im Zusammenleben bei uns, aber auch in internationalen Kontakten.

Noch vor den Pariser Morden hat sich der Autor Theo Faulhaber in einem Gastkommentar im KURIER kritisch mit dem Islam beschäftigt. Sabrina Fuchs, einer Leserin, die selbst zum Islam übergetreten ist, gefiel das nicht, sie konnte aber gestern darauf antworten. So entstand ein Dialog, die einzige Möglichkeit des Zusammenlebens.

Die stellvertretende Generalsekretärin und frühere Justizministerin Claudia Bandion-Ortner hat sich ja durch ihre Aussagen zum Auspeitschen und Köpfen blamiert. Aber sie hat auch einmal gesagt, Saudi-Arabien mische sich in ihre Arbeit nicht ein. Wenn sie nicht schnell zu den Morden in Paris und der Folter in Jeddah Stellung nimmt, muss die Regierung das Zentrum schließen. Der Dialog, der jetzt so wichtig ist, verträgt keine Feigheit, das sind wir den Opfern von Paris schuldig.

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