über Gudenus & Co
09/14/2014

Führen wir also den Kampf der Systeme

Auftritte von FPÖ-Politikern machen deutlich: Sie wollen ein anderes, autoritäres Gesellschaftsmodell.

von Helmut Brandstätter

Auftritte von FPÖ-Politikern machen deutlich: Sie wollen ein anderes, autoritäres Gesellschaftsmodell.

Dr. Helmut Brandstätter | über Gudenus & Co

Es ist widerlich, auf Minderheiten loszugehen, wie dies der Wiener FPÖ-Mann Johann Gudenus tat. Und benehmen kann er sich auch nicht. Man beschimpft im Ausland nicht seine Heimat, die angeblich von einer "Homosexuellenlobby" dominiert sei.

Aber wir müssen Gudenus auch dankbar sein. Endlich wird klar, dass die Treffen von FPÖ-Politikern mit Russen, die von einem autoritären eurasischen Staatenverbund unter russischer Führung träumen, kein Zufall sind. Dem Rechtsextremisten Alexander Dugin folgend sieht sich die FPÖ im Kampf zwischen West und Ost, zwischen "Atlantikern", also aus ihrer Sicht bösen Konzernen im Westen und national-religiös orientierten Eurasiern im Osten. Dugin und seine Gesinnungsgenossen sehen den Faschismus nicht grundsätzlich negativ, sie wollen sogar ein autoritäres Gesellschaftsmodell.

FPÖ-Chef Strache fügt noch eine Geschichtslüge an. In Inseraten wirft er der EU vor, "wieder einen Eisernen Vorhang zu bauen." In seinen Kreisen wird der britische Kriegspremier Churchill wenig geschätzt, aber dieser hat 1946 vom "Eisernen Vorhang" gesprochen, den freilich die Kommunisten unter russischer Führung errichteten. Präsident Putin hat dem mörderischen Sowjetsystem bis zum Zusammenbruch als Geheimdienstler gedient, ohne sich jemals davon zu distanzieren. Hingegen hätte die von Strache beschimpfte NATO nach dem 2. Weltkrieg im Zweifel auch unsere Freiheit verteidigt. Gegen die aggressiven Russen, die 1968 in Prag auf marschierten und Westeuropa mit Atomraketen bedrohten.

Die Straches und Dugins wollen, dass wir uns entscheiden. Es wird uns leicht fallen: Gegen ihr autoritäres System, für unsere offene Gesellschaft, wo Minderheiten nicht wieder als Sündenböcke herhalten müssen.