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08.06.2017

Es ist zum Kotzen, hätte Helmut Zilk gesagt

Eine Regierung, die auf dem Rücken von Lehrern und Schülern Poker spielt, braucht wirklich niemand mehr.

Regelmäßig kommen Schulkassen in die KURIER-Redaktion, gestern waren es 16-jährige Handelsschülerinnen. Klassen, die ein Medienhaus besuchen, sind natürlich interessiert an Nachrichten und der Entwicklung der Medien. Die Lehrerinnen zeichneten aber ein durchaus differenziertes Bild ihrer Schule. Neben den neugierigen Schülern gibt es auch ganz andere junge Leute, die auch noch in der Oberstufe nicht gut Deutsch und kaum sinnerfassend lesen können, berichten sie.

Der KURIER hat inzwischen so oft über die Probleme in den Schulen berichtet, dass auch kognitiv weniger begabte Politiker begriffen haben müssten, worum es geht: Regelmäßiger Schulbesuch, gar Vorbereitung am Nachmittag sind nicht immer selbstverständlich, deutsche Sprachkenntnisse oft mäßig, Lehrerinnen und Lehrer werden von Bürokratie überfordert. Die sogenannte Schulreform, die gefühlt seit Jahren zwischen SPÖ und ÖVP unter besonderer Berücksichtigung der Gewerkschaft verhandelt wird, ist sicher nicht die Lösung für alle Probleme, sie wäre nur ein kleiner, erster Schritt. Dann müssten wesentliche Fragen angegangen werden, vor allem die Förderung der Sprachkenntnisse und die Betreuung am Nachmittag. Allein mit den Steuermillionen, die die Bildungsministerin am Boulevard verteilt hat, wäre schon vielen Jugendlichen geholfen gewesen.

Ganz egal, ob SPÖ oder ÖVP am Stillstand schuld sind, beiden ist es offenbar völlig wurscht, dass das – noch – reiche Land seine Zukunft und die unserer Kinder verspielt. Es ist zum Kotzen, hätte Helmut Zilk formuliert. Er hat das im Zusammenhang mit der Parteipolitik in den Schulen gesagt. Das Einzige, was noch funktioniert.