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14.12.2017

Eine Bruchlandung und nur Verlierer

Die Verantwortung für die Insolvenz von NIKI auf die EU-Kommission abzuschieben, ist zu billig.

NIKI wurde sehenden Auges an die Wand gefahren.

Andrea Hodoschek | über die NIKI-Insolvenz.

Tausende Passagiere, deren Heimflug mühsam wird. Noch mehr Passagiere, die um ihre Tickets zittern müssen. 1000 Mitarbeiter, die nicht wissen, wie es mit ihren Jobs weitergeht. Die deutschen Steuerzahler, die zur Kasse gebeten werden und die Lufthansa, die viel Geld abschreiben muss. Schöne Weihnachten!

Die Schuldigen für dieses Horror-Szenario sind bereits gefunden. Die EU-Wettbewerbskommission sekkierte die Lufthansa mutwillig so lange, bis Europas größter Airline-Konzern gar nicht anders konnte, als sein Angebot für NIKI zurückzuziehen.

Das stimmt nur nicht. NIKI, der wertvollste Teil der kaputten Air-Berlin-Gruppe, wurde sehenden Auges an die Wand gefahren. Von der Mutter Air Berlin, von der Lufthansa und dem deutschen Insolvenzverwalter.

Allen Beteiligten war klar, dass eine Übernahme durch die Lufthansa die kartellrechtlich heikelste Variante ist und harte Auflagen verordnet werden – wir reden immerhin von Marktanteilen bis zu 90 Prozent. So locker, wie die deutsche Regierung (vor der Bundestagswahl) eingesackt wurde und Kanzlerin Merkel den Deal favorisierte, ging es bei den Wettbewerbshütern nicht ab. Die Kommission darf einen solchen Deal nie durchwinken, sonst würde sie ihre Existenzberechtigung verlieren. Warum mit der Lufthansa, die kaum Slots abgeben wollte, dann auch noch exklusiv verhandelt wurde, hat einigen Erklärungsbedarf. Die AUA-Mutter war obendrein so überheblich, die Kommission mit steigenden Ticketpreisen zu provozieren. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt und vielleicht kann NIKI gerettet werden. Das wäre auch im Sinne des Wettbewerbs.