Dieser Fleck droht Rot und Schwarz

Für ein neuerliches Versagen in der Schul-Politik wird die ganze Regierung zu Recht massiv abgestraft.

Im 7-Milliarden-Unternehmen Schule sind die wichtigsten Kunden unsere Kinder.

Josef Votzi | über das Lehrerdienstrecht

Den ersten Anlauf unternahm 2001 VP-Ministerin Elisabeth Gehrer, den jüngsten versuchen gleich drei Ministerinnen. In den Vor- und Hinterzimmern der Macht stehen die Prognosen dennoch auf Daumen runter. In der Unternehmens-Zentrale der Firma Österreich, die sich Regierung nennt, wird seit über einem Jahrzehnt feige gemieden, was überall anstrengender Alltag ist: Eine Anpassung des Firmenangebots an die Kundenwünsche.

Im 7-Milliarden-Unternehmen Schule sind die wichtigsten Kunden unsere Kinder, die zentralen Dienstleister die 125.000 Pädagogen. Der Regierungsplan für ein neues Lehrerdienstrecht soll endlich den Weg zu einem zeitgemäßen Leistungsangebot frei machen: Aus für das antiquierte Zwei-Klassen-System schlechter bezahlter Volks-/Hauptschullehrer und besser bezahlter Mittelschullehrer; her mit Pädagogen, die querdurch unterrichten können und wollen. Aus für die Halbtagsschule samt Halbtagspädagogen; her mit einem flächendeckenden Ganztagsschulangebot statt teurer Nachhilfe.

Auch jene vielen Lehrer, die ihren Job rund um die Uhr mit viel Herzblut machen, sagen: Der Teufel steckt hier vielfach noch im Detail. Das sach- und fachgerecht für alle Pädagogen auszuverhandeln, dafür wird und muss noch ausreichend Zeit sein.

Was unzumutbar ist, dass in der Koalition ein Mal mehr nur die Angst regiert. An Beamtengewerkschafter Fritz Neugebauer ist schon Elisabeth Gehrer gescheitert. Claudia Schmied hat er die Schneid abgekauft, als sie zu Amtsbeginn versuchte, die Lehrerpräsenz im Klassenzimmer zu verlängern. Der Kanzler hat bessere Schulen zu Recht jüngst zur Chefsache erklärt. Am Ergebnis werden er und die ganze Regierung bei der Zeugnisverteilung im Wahlherbst 2013 zuvorderst gemessen werden.

Erstellt am 29.01.2013