Die namenlose Schweinerei

Jetzt braucht es Konkretes, damit ekelhafte Berichte aus Stams nicht bald in der Anonymität verblassen.

Es wird Zeit für Fakten, bedingungslose Aufklärung und Konsequenzen. Es ist höchste Zeit. Aus der Deckung der Anonymität das Feuer der Anschuldigungen zu eröffnen, die Beschuldigten nicht beim Namen zu nennen, sich gleichzeitig durch fast 30 Jahre langes Schweigen aus der Affäre zu ziehen, ist zu wenig.

Dabei sind sie unbestritten glaubhaft, all die Aussagen, die Herr X über die Vorkommnisse unter Schülern im Ski-Internat von Stams getan hat. Über die Praktik des "Pasterns bei herunter gelassener Hose " – und zwar in der schon pervertierten Entartung eines grundsätzlich menschenunwürdigen Rituals – wird berichtet. Ein beliebtes "Spiel" der Erniedrigung des Einzelnen durch die Allgemeinheit. Vergewaltigung? Fallweise treffend ist dieser Begriff. Ärger über unqualifizierte Aussagen sei jetzt sein Motiv gewesen, nicht selbst erlittenes Leid, sagt Mister X. Leid, das er bei den traumatisierten Opfern zwar beobachtet habe, aber trotzdem verschwiegen hat. Mitwisserschaft und Tatenlosigkeit könnte man ihm vorwerfen. Alles inszeniert als medienträchtiger Skandal.

Aber, wem hilft das? Weiteren Menschen, die etwas preisgeben, sich selbst aber nicht preisgeben wollen? Wahre Geschichten verschwimmen im Nebel. Irgendwann fehlt der Öffentlichkeit die klare Durchsicht, später das Interesse. Der Österreichische Skiverband stiehlt sich derweilen aus der Pflicht, sein hinterwäldlerisches Image zu entkräften, sowie offensiv und offen Aufklärung zu betreiben. Dabei wäre die Gelegenheit günstig, Vorreiter in der Aufarbeitung von Schweinereien zu sein, die nicht allein als sportliche Disziplin verkommen dürfen.

(kurier) Erstellt am
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