Meinung
19.03.2018

Bildungsgewurschtel

Das Schulwesen braucht Aufnahmeverfahren und dringend (wieder) Leistungsgruppen.

Der Wunsch, in eine AHS-Unterstufe zu wechseln, führt oft zu überforderten Kindern im 'Gymnasium'.

Dr. Martina Salomon | über das Schulsystem

Spätestens in der vierten Volksschulklasse ist Schluss mit lustig. Alle stehen unter Druck: Schüler, Lehrer, Eltern. Schließlich gilt es, lauter Einser im Zeugnis zu haben, um in eine AHS-Unterstufe wechseln zu können. Das erzeugt schon davor ratlose Familien-Debatten, etwa: Gebe ich mein Kind in eine "leichte" Volksschule, damit es dieses Ziel einfacher erreicht? Das Ergebnis ist bekannt: überforderte Kinder im "Gymnasium", und die "Neue Mittelschule" als "Restschule" in den Ballungszentren, die zu viele als halbe Analphabeten verlassen. Speziell Wien sticht da heraus mit seinem überdurchschnittlich hohen Anteil an Nicht-Deutsch-Sprechenden und "Bildungsfernen", die ihre Religion über die Anforderungen der Schule stellen, wie kürzlich eine (sozialdemokratische!) Lehrerin in einem Video der Rechercheplattform Addendum warnte.

Die Durchmischung passt an beiden Schultypen nicht mehr. Das ist auch eine Folge der Abschaffung von Leistungsgruppen in der alten "Hauptschule" (ohne die auch eine Gesamtschule grandios scheitern würde). In homogenen Gruppen lernt man besser, erzählt Direktorin Walach im KURIER-Gespräch.

Braucht es im bestehenden System wieder AHS-Aufnahmeprüfungen? Jein. Das Bildungssystem hätte ja bereits ein gutes Werkzeug in der Hand: die Bildungsstandards – also objektive, externe Überprüfung des tatsächlichen Wissensniveaus der Schüler. Derzeit verpuffen diese Tests relativ wirkungslos. Sie müssten früher als jetzt beginnen. Zusätzlich könnten die Kinder vor dem Schulwechsel von einem Pädagogen-Team beobachtet und bewertet werden, wie AHS-Direktorensprecherin Isabella Zins voriges Jahr in einem KURIER-Gespräch vorgeschlagen hatte. Außerdem sollten die handwerklichen Fähigkeiten der Schüler wieder mehr beachtet werden. Der schulpolitische Karren muss aus dem ideologischen Graben gefahren werden. Das erfordert eine gemeinsame Anstrengung.