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14.12.2017

Anfang vom Ende des Trumpismus

Die Wirkung des US-Präsidenten auf seine Fans verblasst

Mag. Konrad Kramar | über Trumps Schwäche

Eigentlich ist an der Senatswahl im ebenso bettelarmen wie stockkonservativen US-Bundesstaat Alabama wenig überraschend. Dass ein bigotter Rechtskatholik, der sich mutmaßlich an Minderjährigen vergriff, eine Niederlage einfuhr, ist einfach dem moralischen Grundempfinden der Menschen geschuldet. Selbst tief im US-Süden, wo Wahlsiege der Republikaner seit der Reagan-Ära quasi vorprogrammiert sind, ist ein Kandidat wie dieser auch für treue Parteigänger nicht wählbar.

Eine Überraschung, und zwar eine böse, musste Donald Trump erleben. Hatte sich der US-Präsident doch mit seinem ganzen politischen Gewicht hinter Moore gestellt – weil er ein verlässlicher Unterstützer seiner eigenen Politik war. Trump hat im Vorjahr die Wahl gewonnen, weil er Menschen ansprechen und gewinnen konnte, die die Republikaner nie erreicht hatten: Mitglieder der verarmten weißen Unterschicht. Ihnen konnte der New Yorker Milliardär eigentlich jeden Unsinn auftischen (Rückkehr der Kohleindustrie, Mauer zu Mexiko), und sie kauften es ihm ab, mit ihren Wählerstimmen. Doch diese Wirkung verblasst, der Trumpismus prallt nach einem Jahr Regierung auf die Realität – und die sieht verdächtig nach politischem Versagen aus.