über US-Rassenunruhen
08/19/2014

Der Präsident, der die Hautfarbe ignorierte

Obama versprach ein Land ohne Rassengrenzen und vergaß, dass es dafür mehr als Worte gebraucht hätte.

von Konrad Kramar

Der erste schwarze Präsident der USA wollte Obama sein, nie aber ein Präsident für die Schwarzen

Mag. Konrad Kramar | über US-Rassenunruhen

Es war vermutlich einer der menschlich bewegendsten Momente seiner bisherigen Präsidentschaft. Mit Trayvon Martin war vor zwei Jahren ein anderer junger Afroamerikaner Opfer grundloser rassistischer Gewalt geworden. Und der Präsident tat einmal das, was er meist peinlich vermieden hatte: Er brachte seine eigene Hautfarbe ins Spiel: "Vor 35 Jahren hätte ich selbst dieser Trayvon Martin sein können."

Der erste schwarze Präsident der USA wollte Obama sein, nie aber ein Präsident für die Schwarzen. Und weil man auf diese Weise den Vorurteilen, dem Rassismus vieler weißer Amerikaner einfach ausweichen konnte, tat Obama ständig so, als würde sich der schon durch seinen Einzug ins Weiße Haus von allein in Richtung Geschichte verabschieden. Die Bluttat von Ferguson wie auch die gewaltsamen Konsequenzen zeigen, dass das Gegenteil eingetreten ist. Wirtschaftskrise und wachsende soziale Gegensätze haben die Rassengrenzen nur noch schärfer gezogen. Städte wie Ferguson sind nicht nur von Industrie und Gewerbe, sondern auch von der weißen Bevölkerung verlassen. Zurück bleibt ein schwarzes Getto, in dem die Polizei auftritt wie sonst nur die US-Armee im Irak. Dass diese paramilitärische Aufrüstung weitere Gewalt förmlich provoziert, hätte gerade dem ehemaligen Sozialarbeiter Obama bewusst sein müssen. Gegen das Wachsen der Gettos, das drastische soziale Absacken der Afroamerikaner hatte der nichts zu bieten als mahnende Worte an die jungen Schwarzen. Die aber hören nicht mehr auf den Mann, den sie einst als Helden feierten. Zu oft hat er klargemacht, dass er keiner von ihnen, sondern vielmehr eine Art farbloser Präsident ist – und durch den schauen viele einfach hindurch.

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