Noch nichts bewegt

Das neue Sportförderungsgesetz ist ein dringender Arbeitsauftrag. Sonst nichts.

Weil Österreich über keinerlei Sportkultur verfügt und jede sonstige politische Flatulenz mehr zählt als der Sport, hat das neue Sportförderungsgesetz den Ministerrat abseits der öffentlichen Wahrnehmung passiert.

Immerhin: 80 Millionen Euro im Jahr – so viel wurde für den Sport noch nie in die öffentliche Hand genommen.

Das durch ÖVP-Wehrpflicht-Taktik und ÖOC-Intervention verzögerte Projekt des Sportministers Norbert Darabos soll das Ende des Gießkannenprinzips bedeuten, ...

... soll die Finanzströme transparenter machen, ...

... soll den Verbänden die Möglichkeit der langfristigen Planung geben, ...

... soll Leistung mittels Ranking mehr berücksichtigen als bisher.

Soll.

Niederösterreichs Sport-Landesrätin Petra Bohuslav (ÖVP) bezeichnet die Reform als vergebene Chance, keineswegs als Meilenstein. Mag sein, dass es sich dabei nur um ein Nachbellen handelt, weil der SPÖ-Vorschlag nach dem Hickhack um Details kaum noch verändert wurde. Der Minister habe sich mittels Reform nur mehr Einfluss sichern wollen.

Sollte dies der Fall sein, dann muss er jetzt dafür sorgen, dass die untragbaren Strukturen in den Verbänden durchleuchtet werden. Dann darf es nicht mehr sein, dass dubiose Gesellschaftsstrukturen wie beispielsweise im Schwimmverband geduldet und politisch einbetoniert werden. Dann muss ein Heer von Rechnungsprüfern die unzähligen Selbstbedienungsläden ausheben. Dann darf es nicht mehr sein, dass sich Nationalratsabgeordnete populistisch zur täglichen Turnstunde in den Schulen bekennen, aber im Zuge der Schulreform eine weitere Turnstunde gestrichen wird. Dann darf es nicht sein, dass die gesetzliche Verankerung der täglichen Sporteinheit nicht einmal erwogen wird. Dann darf es nicht sein, dass internationale Vergleiche, die eine enorme Wertschöpfung des Sports für Volkswirtschaft und Volksgesundheit eindeutig belegen, politisch ignoriert werden.

Bevor sich jetzt Politiker bei der Ski-WM für ihre unvergleichlichen Verdienste um den Sport fernsehwirksam feiern lassen: Bewegt wurde noch gar nichts. Österreichs Schüler sind unbeweglicher denn je. Bei den Sommerspielen gewann kein Österreicher eine Medaille. Der beste Schwimmer ist wegen der Rachsucht archaischer Funktionäre gesperrt.

Also: An die Arbeit.

(KURIER) Erstellt am
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