Jukic selbst war beim Verbandstag nicht anwesend.

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Meinung Kolumnen Zuendstoff
09/16/2012

Dinko Jukic bleibt gesperrt und hört auf

Wiener Gewerkschafter Christian Meidlinger ist neuer Chef des OSV und damit Nachfolger von Paul Schauer.

von Jürgen Preusser

Wichtiger als der Krieg der Funktionäre: Dinko Jukic, derzeit mit Abstand bester Schwimmer Österreichs, bleibt für zehn Monate unbedingt und zwei Monate bedingt gesperrt, wird daher den Schwimmverband klagen und seine Karriere mit 23 Jahren beenden. Ein fast unglaubliches Urteil der Berufungsinstanz als krönender Abschluss eines unrühmlichen Parteitags ... pardon ... Verbandstags in Linz: 10 Stimmen für Aufhebung der Sperre, 20 Enthaltungen und 101 (!) Stimmen für die Beibehaltung. 500 Salzburger Kinder sitzen weiter auf dem Trockenen, weil auch der Salzburger Landesverband unter Ex-Präsident Christian Schneeberger mit acht (!) Vereinen ausgeschlossen bleibt. Dem OSV drohen von dort mindestens acht Klagen. Ach ja: Christian Meidlinger ist neuer Präsident des Österreichischen Schwimmverbandes (OSV). Der Abgeordnete der SPÖ im Wiener Gemeinderat und Gewerkschaftschef der Gemeindebediensteten war bisher auch Wiener Schwimm-Präsident. Der 48-jährige wurde erst in der Nacht vor der Wahl an die Spitze einer zusammengeschusterten Liste gesetzt, um dem bis dahin einzigen Kandidaten, dem Wiener Agenturinhaber David Ungar-Klein, nicht das politische Schwimmbecken zu überlassen. "Ich werde versuchen, den Schwimmsport aus den negativen Schlagzeilen zu holen", sagt Meidlinger. Den Schwimmsport? Was hat der denn verbrochen? Meinte er da nicht womöglich den Schwimmverband? Beim Verbandstag in der Linzer Voestalpine Stahlwelt wurde jedenfalls nicht geschwommen, sondern emsig gemauert: Und der Stahlbeton einer auf allen Ebenen miteinander verschraubten Funktionärspartie hielt bombenfest: Trotz Jukic-Sperre, trotz heftig umstrittenem und dem Großteil des Vorstands unbekanntem GmbH-Konstrukt mit ausgelagerten Konten, trotz völlig dubiosem Ausschluss des Salzburger Verbandes, trotz einer Flutwelle von Klagen aus Salzburg, die jetzt auf den OSV niedergehen wird.

Die Phalanx

OSV-Finanzreferent Walter Benesch, der als ehrenamtlicher Funktionär ein Gehalt als Geschäftsführer einer GmbH bezieht, führte die Front an und brachte so auch die Rechnungsprüfer dazu, den Vorstand zu entlasten. Obwohl Benesch öffentlich zugab, dass Gelder über diverse Konten geflossen waren, was zum Nutzen des OSV gewesen sei. Die Rechnungsprüfer hatten zuvor zum Teil nichts von der Existenz der GmbH gewusst. Vier Tage vor der Wahl hatte Benesch in einer panisch einberufenen Vorstandssitzung eidesstattlich erklären müssen, dass er eine angeblich antisemitische Äußerung gegenüber dem Gegenkandidaten Ungar-Klein nie getätigt hätte. Daraufhin ließ sich Ex-Vorstandsmitglied Oliver Kölli von der Schauer-Liste streichen. Danach trat Paul Schauer zurück. Doch am Samstag stimmten auch jene Vereine, die Kölli zugeordnet worden waren, für Meidlinger. Damit kam es mit 104:32 Stimmen sogar zu einem klaren Resultat. David Ungar-Klein hatte vor, den OSV radikal zu verjüngen und (Ex-)Sportler an die Hebel zu setzen. Als Fachwarte hatte er unter anderem Maxim Podoprigora vorgesehen. Doch so etwas geht in Österreich ja schon gar nicht! Spätestens als die Funktionärs-Phalanx den pensionierten Senatsrat Ferdinand Podkowicz als Rechtsreferent nominierte, war die Revolte des Sports gegen das Sport-Establishment auf der Verliererstraße: Der Ferdl hat seit Jahrzehnten alle Fäden im Wiener Sport in der Hand. Er ist der Mann für das Grobe – und da die Situation für den OSV langsam grob wurde, musste eben Podkowicz mithelfen, den Beton anzurühren. Und so wurde es ein Tag, an dem der Sport auf allen Linien verloren hat.

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