über die Lebenswelt der Tierärzte
11/09/2012

Pussy

von Joachim Lottmann

Die Katze lehnte alle ab, bis der für sie genehme Standort zum Entbinden gefunden war: im Schlafzimmer, neben dem Ehebett.

Joachim Lottmann | über die Lebenswelt der Tierärzte

Wütende Proteste gab es nach der herzlosen Tiergeschichte hier letzte Woche. Aber es geht auch ganz anders, wie mir zwei KURIER-Leser berichteten. Vor über 16 Jahren, bei einem Besuch ihres Bruders in Klosterneuburg, lief Brigitte S. eine herrenlose junge Katze zu. Diese setzte sich auf ihren Fuß und ging nicht mehr weg. Sie war völlig ausgehungert und krank. Ihre Augen tränten, die Stimmbänder waren vom wehklagenden Miauen so angegriffen, dass sie keinen Ton mehr herausbrachte. Brigitte und ihr Mann Günter nahmen sie mit. Im Auto war das arme Tier nicht mehr von Brigittes Schoß wegzukriegen, so dass ihr Mann lenken musste. Sie päppelten es auf. Anfangs musste es zwei Mal in der Woche zum Tierarzt. Was das kostete? Die beiden lachen nur; darauf haben sie nie geachtet. Eines Tages war das Kätzchen dann gesund. Und nach einem halben Jahr wurde es schwanger. „Viel zu früh“, meinte die Tierärztin. Nun lasen Brigitte und ihr Mann Bücher. Was tut man bei einer Katzenschwangerschaft? Sie bauten eine Höhle in einem Karton und probierten verschiedene Plätze dafür aus. Die Katze lehnte alle ab, bis der für sie genehme Standort zum Entbinden gefunden war: im Schlafzimmer, neben dem Ehebett. Als es so weit war, befanden sich die Menschen gerade auf einer Party. Die Katze wartete brav ab, bis sie zurückkamen, erwartete sie ernst an der Tür. Dann schlüpften vier Buben aus ihrem Bauch. Günter, ein Arthur-Schnitzler-Fan, gab ihnen die Namen von seinen Lieblingsfiguren aus Schnitzler-Stücken. Die Mutterkatze brachte den Jungen alles bei: anschleichen, jagen, springen, laufen, sich putzen, Spaß haben.Ihre Stimme bekam sie leider nie wieder, ihr Miauen war nur eine Andeutung desselben. Aber die Dankbarkeit und Liebe gegenüber ihren Rettern ist bis heute geblieben. Denn so ist es immer, wenn man Tiere wirklich liebt!joachim lottmannjoachim.lottmann@kurier.at 

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