Meinung | Kolumnen | Worklife
08.03.2013

Von „altgeheiligten Grundsätzen“ und so

... dann stößt man auf einen Teilbereich der Wirtschaft und glaubt den Zahlen nicht, die sich da zeigen.

Mag. Sandra Baierl | zum Frauentag und über die letzten Meter

Frauentag war. Da seufzen viele Frauen und die Männer verdrehen ohnehin die Augen. Weil zum Thema Gleichberechtigung alles gesagt ist, alles viel zu oft wiederholt wurde und es seit Jahr und Tag um die ewig gleichen Punkte geht: Einkommensgerechtigkeit (geht ganz gut), Aufstiegsmöglichkeiten (ging schon besser), Männerbeteiligung bei den Familienpflichten (alles beim Alten) und Kinderbetreuungseinrichtungen (da bemüht man sich).

Und dann stößt man im Zuge der Recherche auf einen Teilbereich der Wirtschaft und glaubt den Zahlen nicht, die sich in den Statistiken finden. Nur 19 Prozent Frauen gibt es unter den Rechtsanwälten, obwohl gleich viele Frauen wie Männer als Rechtsanwaltsanwärter an den Start gehen. Nur sieben Prozent Partnerinnen haben die zwölf umsatzstärksten Kanzleien des Landes vorzuweisen. Der erste weibliche Notar wurde überhaupt erst 1989 ernannt und in der Geschichte finden sich erstaunliche Zitate: Die Rechtspflege sei Männersache, hieß es da, 1933 wurde festgestellt, dass „die Hereinnahme der Frauen in die Gerichtsbarkeit ein schweres Unrecht gegen den Mann“ bilde, weil sie einen „Einbruch in den altgeheiligten Grundsatz der Männlichkeit des Staates“ darstelle.

Die letzten Meter

Und plötzlich wird klar, warum man an Themen dranbleiben muss, auch wenn sie vielfach behandelt wurden. Wird klar, dass eine Veränderung von Denk- und Verhaltensweisen nur passieren kann, wenn unaufhörlich darauf gepocht wird. Ein paar Prozent der Männer gehen in Karenz und ein paar Prozent der Frauen schaffen es schon in die Führungsetagen. Eh gut. Aber gefährlich ist, wenn die Gesellschaft glaubt, dass das genügt. Viel ist erreicht und noch viel ist zu tun – und weil die letzten Meter bekanntlich die schwierigsten sind, hilft nur eines: konsequent dranbleiben bitte, auch wenn’s nervt.