über Mentoren
09/12/2014

Kein Aufstieg ohne Helfer – immer noch

von Sandra Baierl

Der Mechanismus hält sich seit Jahrhunderten: Wer aufsteigen will, braucht gute Kontakte.

Mag. Sandra Baierl | über Mentoren

Lucian Freud hatte Francis Bacon. Helmut Kohl hatte Konrad Adenauer. Yves Saint Laurent hatte Christian Dior. Schiller hatte Goethe. Maler, Politiker, Künstler und Schriftsteller wären vielleicht nie geworden, was sie wurden, wenn es ihren Mentor nicht gegeben hätte. Einen Ratgeber, älter, erfahren, der ihre Entwicklung gefördert und den Wissenstransfer zwischen Alt und Jung nicht gescheut hat. Der mit Kontakten Türen aufstieß.

Für Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts war ein Mentor die einzige Möglichkeit, in der Wissenschaft tätig zu sein. Für die Wienerin Lise Meitner etwa, die ab 1901 Physik an der Universität Wien studierte, waren die Lehrer Ludwig Boltzmann und Max Planck entscheidend, Letzterer war "der Reisepass, der mir den Zugang zur wissenschaftlichen Arbeit öffnete, eine große Hilfe, die bestehenden Vorurteile gegen Akademikerinnen zu überwinden".

Stark hilft schwach

Everyone who makes it has a mentor, attestierte die Harvard Business Review 1979, die New York Times bestätigt diesen Befund 2014 erneut. Der Mechanismus hält sich seit Jahrhunderten: Wer aufsteigen will, braucht gute Kontakte. In Wirtschaft, Politik und Wissenschaft herrschen klare Machtverhältnisse und immer noch intransparente Fördermechanismen – trotz aller gespielter Offenheit in Ausschreibungen und Auswahlverfahren. Es dominiert das Matthäusprinzip – "Wer hat, dem wird gegeben" – Talent allein reicht nicht, entscheidend sind Status und Netzwerk.

Damit Leistung und Qualität unabhängig von Geschlecht, Herkunft und sozialem Kapital überhaupt eine Chance bekommen, müssen die eingefahrenen Strukturen aufgebrochen werden. Mentoren können ein Türöffner im Kleinen sein. Der Kulturwandel im Großen findet in der Praxis nicht statt – in ressourcenknappen Zeiten schon gar nicht.

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