über den Aufnahmetest in der Medizin
07/14/2015

Ist Nummer neun immer bestgeeignet?

von Sandra Baierl

Wie viele geborene Ärzte sind unter den acht Leider-Neins?

Mag. Sandra Baierl | über den Aufnahmetest in der Medizin

Provisorien halten, mitunter ewig: Der Wissenschaftsminister glaubt an sein Beschränkungssystem und will die befristet eingeführten Zugangshürden an den Unis verlängern, sogar ausweiten. Sie betreffen derzeit fünf Studienfelder und insgesamt 40 Fächer, künftig sollen auch Jus (wegen der hohen Studentenzahlen) und Chemie (wegen der teuren Laborplätze) beschränkt werden. Für die Praxis heißt das: Bei Überschreitung einer gesetzlich festgelegten Höchstzahl an Studienwerbern können die Unis eine Aufnahmeprüfung und damit Selektion durchführen. Oder aus Sicht der Studierenden: Nicht jeder darf jedes Fach studieren.

Ene, mene, muh ...

Wir sind weit weg von einer Alles-für-jeden- Phase in der Bildung. Die gab es mal in Ansätzen, mit der Ära Kreisky bis zu den Nullerjahren und der schwarz-blauen Regierung, die Studiengebühren einführte. Aktuell sind wir in einer Zeit der Limitierung – die Budgetnot regiert. Dass Ressourcen nicht unbeschränkt zur Verfügung stehen, kann man verstehen. Dass die Beschränkung der Plätze allerdings nicht an eine ordentliche Bedarfserhebung gekoppelt ist – wir werden zu wenig Ärzte haben, lassen aber trotzdem nur 1560 zum Medizinstudium zu – nicht.

Anzweifeln muss man auch die Methodik der Selektion. Nur jede/r Neunte kommt durch. Dass just der oder die Neunte die Person mit der besten Eignung für den Arztberuf ist, ist unwahrscheinlich. Wie viele "geborene Ärzte" unter den acht Leider-Neins sind, wird aber zum Glück nie jemand erfahren.

"Ich wollte immer Papst werden, bis man mir gesagt hat, ich bin evangelisch", sagte ein Freund neulich. Die Wahl des Berufes ist die wichtigste Entscheidung im Leben. Dennoch bestimmt zu weiten Teilen der Zufall, die Herkunft, das Umfeld. Und neuerdings ein einzelner Test an einem einzelnen Tag: Ene, mene, muh ...

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