über LEBEN: WM-Overkill

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Guido Tartarotti über zu viel Berichterstattung uns runde Leder.

Da draußen läuft eine WM frei herum, und ich komme nicht auf Betriebstemperatur. Was ist los, WM? Komm schon und beiß mich in den Hintern! Dabei bin ich keiner dieser Ich-lese-lieber-Tolstoi-Nasenhochträger. Seit 1978 habe ich ca. 400 Fußball-WM-Spiele gesehen und null Tolstois gelesen. Aber jetzt schleiche ich mit "Krieg und Frieden" unter dem Arm durch die WM, bin desinteressiert und mag mich nicht. Woran liegt's? Ich glaub, an den Käsebroten. Angenommen, Sie essen gerne Käsebrote. Sie machen kein großes Aufsehen darum und verspüren auch nicht den Wunsch, in den Medien als Käsebrotesserzielgruppe besonders wahrgenommen und mit Berichterstattung bedient zu werden. Käsebrote sind halt einfach da, das ist gut so, und damit hat sich's. Und dann bricht plötzlich ein Käsebrot-Orkan los. Im Fernsehen wird wochenlang Käsebrotessen live übertragen, Käsebrotexperten diskutieren, von jeder Plakatwand, aus jeder Zeitung, aus jedem Supermarkt brüllt es: KÄSEBROT! Käsebrotverweigererinnen schreiben Kolumnen darüber, dass sie Käsebrote hassen, aber dennoch an der Wahl zum schönsten Käsebrotesser teilnehmen. Der ORF erklärt einen Kanal zur käsebrotfreien Zone und spielt dort Rosamunde Pilcher. Ganz ehrlich: Würden Sie da nicht auch auf Marmeladesemmel umsteigen?

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Das daneben ist übrigens mein Spielerpass. Der SC P. hat ihn - absurderweise genau jetzt - in einer Schublade entdeckt, wo er 30 Jahre lag, und mir geschickt. Ich sehe ihn jetzt zum ersten Mal, denn mein Trainer hat damals behauptet, der Pass sei verloren gegangen. Er tat das für die Mannschaft - um mich am Spielen zu hindern. Die anderen kickten, ich machte Käsebrote.

(kurier) Erstellt am
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